Es sieht fast so aus, als würde bei den Integrationskursen in Deutschland eine Schippe draufgelegt – allerdings in die falsche Richtung, zumindest nach Meinung der Volkshochschulen. Laut WAZ sollen für Teilnehmende, die mit dem Lerntempo nicht Schritt halten, die Anforderungen beim Abschlusstest von B1 auf A2 gesenkt werden. Das klingt im ersten Moment nach Erleichterung, könnte aber dafür sorgen, dass Migrantinnen und Migranten mit geringeren Sprachkenntnissen noch schwerer auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen. Klaus Hebborn, Vorsitzender der NRW-Volkshochschulen, findet deutliche Worte: Die Vorschläge torpedierten die bestehende Integrationsstruktur und passten ganz und gar nicht zum aktuellen Ruf nach mehr Fachkräften. Statt Entlastung drohen laut Dokumenten aus einer Bund-Kommission weitere Kürzungen beim Präsenzunterricht, mehr Selbstlernphasen per Computer – und sogar der bewährte Orientierungskurs soll wackeln, immerhin das Herzstück beim Ankommen in der deutschen Gesellschaft.
Spätestens seitdem zu Jahresbeginn weite Gruppen Zugewanderte – darunter Geflüchtete aus der Ukraine, Asylsuchende oder auch EU-Bürger aus Bulgarien und Rumänien – nicht mehr zu den Kursen zugelassen werden, brodelt die Debatte. Der Haushalt sei knapp, heißt es lakonisch aus Berlin. Doch kaum jemand glaubt, das reiche aus als Begründung.
Die aktuellen Planungen des Bundes sehen weitere Verschärfungen und Einschränkungen bei den Integrationskursen für Zugereiste vor. Neben der bereits erfolgten Zugangsbeschränkung für tausende Betroffene stehen eine Reduzierung des Sprachniveaus, vermehrt digitale Lernabschnitte, weniger Präsenzstunden und eine potenzielle Abschaffung der Orientierungskurse im Raum. Laut aktuellen Stimmen aus Bildung und Politik werden die Veränderungen vielfach als kontraproduktiv für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe von Migrantinnen und Migranten bewertet.
Neuste Recherchen bestätigen die Sorge vieler Bildungsträger: Bundesweit machen sich Unsicherheiten unter Kursteilnehmern breit, während Städte und Kommunen warnen, der Mangel an qualifizierten Sprachkenntnissen könne die Integration und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt langfristig verschlechtern. Verschiedene Kommentatoren in überregionalen Medien fordern, Finanzierungslücken durch Umschichtungen im Haushalt auszugleichen, anstatt bei Bildung und Integration zu sparen. Auch der aktuelle Haushaltsstreit und Sparzwang werden als eine wesentliche Ursache der Problematik gesehen – Experten befürchten einen Rückschritt in der Integrationspolitik.