Für Pyrexx, Spezialist für Rauchwarnmelder aus Berlin, fühlt sich das Frankfurter Urteil wie ein Befreiungsschlag an – verbunden mit Bitterkeit über das erlittene Unrecht. Nachdem das Oberlandesgericht Frankfurt die Bewertung "mangelhaft" für den Pyrexx PX-1 kassiert hat, ist klar: Stiftung Warentest hat gepatzt, sogar ihre Sorgfaltspflicht verletzt. Sie haftet für die millionenschweren Schäden, die ihre Veröffentlichung verursacht hat – keine Revision zugelassen. Die Richter fanden ungewöhnlich deutliche Worte und sahen die Verantwortung allein bei der Stiftung, die nicht mal das Gegengutachten von Pyrexx ernst genommen hatte. Ihre Ausrede, ein belgisches Prüfinstitut habe den Fehler begangen, ließ das Gericht nicht gelten – Unternehmen wären sonst Willkür ausgeliefert.
Was war geschehen? Ende 2020 testete Stiftung Warentest 17 Rauchwarnmelder – der Pyrexx PX-1 fiel bei angeblich zu spätem Alarm gnadenlos durch, während andere Geräte „bestanden“. Fast jeder Haushalt kennt seither diese Urteil: „mangelhaft“ – ein Prädikat, das Verkäufe einbrechen, Jobs verschwinden und den Ruf des Unternehmens in den Keller rasseln ließ. Aber wie sich herausstellte, war der Test schlicht fehlerhaft: Das Prüfinstitut hatte eine für Pyrexx ungünstige Rauchdichte verwendet, die nicht der Norm entsprach. Unabhängige Experten und ein Gutachter bestätigten, dass der Melder ordnungsgemäß arbeitet. Dennoch blieb Stiftung Warentest stur, hielt den schlechten Test aufrecht und ging jahrelang nicht auf die Gegenargumente ein. Erst unter massivem juristischen Druck lenkte sie ein.
Die Folge für Pyrexx war existenzbedrohend: Millionenverluste, der Abbau jedes dritten Arbeitsplatzes, das Vertrauen der Kundschaft erschüttert. Geschäftsführer Sebastian Herre spricht offen von der härtesten Zeit der Firmengeschichte und sieht sich – wie viele Mittelständler – einem Übermacht von Institutionen und Medien ausgeliefert. Besonders stößt ihn auf, dass Medien die Bewertung kritiklos weiterverbreiteten, ohne je Pyrexx selbst zu befragen. Für ihn bleibt die Frage offen: "Wer überwacht eigentlich die Überwacher?"
Auch nach dem Sieg ist das Thema nicht vom Tisch: Das Frankfurter Gericht hat Revision ausgeschlossen, aber Stiftung Warentest bleibt noch der Weg über eine Nichtzulassungsbeschwerde. Über die konkrete Schadenshöhe muss das Landgericht Frankfurt jetzt befinden. Für Pyrexx ist das Urteil mehr als Geld – es ist ein Hoffnungsschimmer für andere betroffene Unternehmen, die sich künftig vielleicht eher trauen werden, sich zu wehren. Zum Schluss noch eine Randnotiz: Pyrexx produziert weiter in Berlin-Marzahn, beliefert Millionen Haushalte – und blickt trotz allem nüchtern auf die Zukunft.
Ein Berliner Unternehmen, Pyrexx, konnte sich nach jahrelangem Kampf gegen ein aus ihrer Sicht falsches Testurteil der Stiftung Warentest vor Gericht durchsetzen. Das OLG Frankfurt sprach erstmals in der Geschichte Schadensersatz gegen die Stiftung zu, denn diese hatte Prüfberichte ignoriert, Hinweise nicht ernst genommen und war auf ein fehlerhaftes Prüfinstitut hereingefallen. Der Schaden für Pyrexx beträgt rund 7,7 Millionen Euro; zudem haben viele Beschäftigte ihren Job verloren. Die Stiftung Warentest könnte noch eine formale Beschwerde einreichen, über die tatsächliche Schadenssumme liegt die Entscheidung nun beim Landgericht Frankfurt. Das Urteil gilt als Meilenstein, der Transparenz und Sorgfalt bei Produkttests und deren medialen Folgen stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt.
— Ergänzende Recherche —
Aktuelle Nachberichte vertiefen das Thema weiter und diskutieren vor allem die Rolle von Verbraucherschutz-Institutionen und das Verhältnis von Mittelstand und Kontrolleuren. Viele sehen im Ausgang des Prozesses ein Anzeichen, dass auch Institutionen wie Stiftung Warentest nicht unangreifbar sind. Kritisch beleuchtet wird, wie rasch Medien fehlerhafte Testergebnisse übernehmen und weiterstreuen, ohne ausreichende Gegenrecherche oder unabhängige Prüfung. Mehrere Stimmen fordern eine stärkere öffentliche Kontrolle solcher Instanzen, und Expertinnen und Experten bewerten die Chancen auf eine neue Kultur der Fehlertransparenz, auch bei staatlich geförderten Einrichtungen.