Demografieforscher: Renteneintritt mit 70 – jetzt noch kein Thema

Der Altersvorsorge-Spezialist Axel Börsch-Supan hält die Debatte um den Rentenbeginn mit 70 aktuell für wenig sinnvoll. Die Lebenserwartung wachse nämlich nur langsam – im Schnitt verlängere sich das Arbeitsleben um ein Jahr pro etwa 14 Lebensjahre, wie er der ‚Welt am Sonntag‘ erläuterte.

heute 01:03 Uhr | 3 mal gelesen

Ein regulärer Ruhestand ab 70 Jahren? Laut Börsch-Supan, dem Leiter des Munich Research Institute for the Economics of Aging (MEA), liegt dieses Szenario momentan noch in weiter Ferne. Statt eine pauschale Grenze zu setzen, fordert der Demografie-Experte flexiblere Übergänge, gerne mit höheren Abschlägen, sollten Menschen vorzeitig aussteigen wollen. Interessant: Die gängigen 3,6 Prozent Abschlag wertet er als deutlich zu niedrig – nach seinem Rechenmodell müssten es fünf Prozent sein. Bei Politik und Gesellschaft haben sich aber aus Börsch-Supans Sicht einige schwerwiegende Fehler verfestigt: Die starre Haltelinie fürs Rentenniveau und die abschlagsfreie Rente mit 45 Beitragsjahren. Letztere verursachen langfristig Mehrkosten in Milliardenhöhe, so seine Einschätzung. Besonders kritisch sieht er die Option auf Rente mit 63, weil gerade Leistungsstarke und Gesunde davon profitierten. Fiele die Regelung weg, wären laut Börsch-Supan innerhalb von zwei Jahren über 500.000 potenzielle Erwerbstätige mehr im System.

Eine starre Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ist aus Börsch-Supans Sicht kurz- bis mittelfristig unsinnig, da die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland nur langsam zunimmt. Stattdessen empfiehlt er, flexible Modelle individuell an die Lebens- und Arbeitsrealität anzupassen, wobei er stärkere Abschläge für Frühverrentung befürwortet. Auch weist Börsch-Supan auf immense finanzielle Herausforderungen durch aktuelle Rentenentscheidungen hin, insbesondere die Haltelinie und die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren – Maßnahmen, die den Generationenvertrag extrem belasten könnten. Neue Entwicklungen: In jüngsten Diskussionen etwa auf dem 18. Deutschen Seniorentag und laut aktuellen Berichten warnen Politiker und Gewerkschaften vor schnellen Anhebungen des Rentenalters, fordern aber parallel umfangreiche Reformen, um das Rentensystem langfristig zu finanzieren. Die Bundesregierung plant laut Medienberichten eine moderate Anpassung des Renteneintrittsalters gekoppelt an die reale Lebenserwartung, wobei zugleich das Ziel verfolgt wird, die Erwerbsbeteiligung Älterer zu erhöhen. Nach Recherchen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) birgt insbesondere eine Abschaffung der Rente ab 63 ökonomisches Potenzial, da laut Berechnungen bis zu 600.000 Fachkräfte länger arbeiten und damit das Beitragsaufkommen spürbar steigen könnten.

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