Deutsches Gesundheitssystem auf den Krisenfall schlecht vorbereitet – Charité warnt

Heyo Kroemer, Vorstandschef der Berliner Charité, rügt den fehlenden Krisenplan im deutschen Gesundheitswesen. Jüngste Vorfälle wie der Stromausfall in Berlin machen laut Kroemer deutlich, wie sehr eine robuste Notfallstrategie fehlt – eine Schwachstelle, die nicht auf einzelne Städte beschränkt ist.

12.01.26 16:25 Uhr | 387 mal gelesen

Kroemer findet deutliche Worte: Was unlängst beim Stromausfall in Berlin aufgefallen ist, das legt einen tieferen, strukturellen Mangel im gesamten Gesundheitssystem offen. Überraschenderweise, oder geradezu erschreckend gewöhnlich, sehe er dies nicht als Berliner Einzelfall, sondern als landesweites Versäumnis. Während Länder wie Schweden, Israel oder die Vereinigten Staaten systematisch vorbereitet sind, sich für Katastrophen wie Naturereignisse, Terroranschläge oder Blackouts zu wappnen, fehlt in Deutschland ein solider Plan. Echte Mechanismen, feste Verantwortlichkeiten – das, was im Ausland selbstverständlich zu sein scheint –, sind hierzulande geradezu Mangelware. Kroemer dringt zudem darauf, dass nicht nur Verantwortliche in Behörden gefordert sind. Eine entscheidende Rolle spiele auch die Bevölkerung selbst. Wissen, wie man sich in Ausnahmesituationen verhält, könnte Existenzen retten. Medizinisches Personal brauche Sicherheit, sich darauf verlassen zu können, dass auch im Chaos genug Kolleginnen und Kollegen zur Stelle sind. Und überhaupt: Übungen, klare Strukturen – klingt nach Binsenweisheit, wird aber viel zu häufig ignoriert. Stattdessen improvisiert Deutschland, während andere Staaten längst handfeste Notfallpläne routinemäßig proben. Ob das wohl so bleibt? Kroemer lässt Zweifel offen, appelliert aber an die Politik, endlich aus den Schatten der Improvisation herauszutreten. Den Ernstfall warten zu lassen, könne sich das System eigentlich nicht mehr leisten.

Das deutsche Gesundheitssystem hat laut Heyo Kroemer, Chef der Charité, bislang keine überzeugende Strategie, um auf Katastrophen oder Krisen souverän zu reagieren. Während in anderen Ländern verbindliche Notfallmechanismen und regelmäßige Übungen längst etabliert sind, fehlen in Deutschland sowohl die Struktur als auch das nötige Bewusstsein in der Bevölkerung. Besonders bei Situationen wie einem großflächigen Stromausfall offenbaren sich die Defizite – Ärzte und Pflegekräfte müssen sich oft unter unklaren Zuständigkeiten durchschlagen, und auch einfache Anleitungen für die Bevölkerung bleiben Mangelware. Aktuelle Berichte bestätigen Kroemers Bedenken: Die Süddeutsche schreibt von einem zunehmenden Personalmangel in Krankenhäusern im Zusammenhang mit wachsenden Belastungen und unzureichender Vorbereitung auf Ausnahmesituationen. Noch kritischer ist die aktuelle Debatte über die Digitalisierung im Gesundheitswesen, die im Notfall große Lücken offenbart, weil analoge Backups und Kommunikationswege vernachlässigt werden. Und: Katastrophenschutz-Experten bemängeln in der ZEIT, dass sich Bund und Länder nicht auf eine Aufgabenverteilung bei Großschadenslagen einigen können und das Training der spezialisierten Einsatzkräfte vernachlässigt wird.

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