Handwerk fordert mehr Wertschätzung für berufliche Ausbildung

Jörg Dittrich, der Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, verlangt einen gesellschaftlichen und politischen Wandel im Umgang mit Ausbildungsberufen.

heute 01:02 Uhr | 3 mal gelesen

„Unser Wohlstand hängt nicht allein vom Abitur oder Hochschulabschlüssen ab – berufliche Ausbildung verdient ebenso Anerkennung“, betonte Dittrich gegenüber der Funke-Mediengruppe. Er fordert, dass Politik sich endlich klar und rechtlich verbindlich hinter die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung stellt. Deshalb werde ein Qualifikationsrahmengesetz gebraucht. Das allein reiche aber nicht: Die maroden Bildungszentren bräuchten dringend mehr Geld – immerhin fehlen hier mittlerweile über vier Milliarden Euro. Die Werkstätten der Zukunft dürfen nicht aussehen wie Relikte aus der Bonanza-Ära. Im Vergleich zu anderen Branchen steht das Handwerk bei Ausbildungszahlen gut da: Seit drei Jahren steigt die Zahl der neuen Verträge leicht – vor allem Berufe, die gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wandel fördern, zeigen erfreuliche Entwicklungen: Vom Elektroniker bis zum Dachdecker geht’s bergauf. Wer Sinn und Perspektive sucht, könne im Handwerk fündig werden. Natürlich bleiben Herausforderungen: „Eine Ausbildung muss für die Jugend attraktiver werden – daran arbeite ich gerne, das ist wie ein guter Wettkampf“, sagt Dittrich. Offene Kritik äußerte er an einer Ausbildungsplatzumlage, wie sie in Bremen existiert und in Berlin diskutiert wird. Sie bestrafe schließlich auch Betriebe, die eigentlich ausbilden wollen, aber keine passenden Bewerber finden. „Da kocht bei mir das Blut“, gesteht Dittrich und verweist darauf, dass sage und schreibe ein Drittel aller Ausbildungsplätze bundesweit in handwerklichen Betrieben entstehen, obwohl das Handwerk nur etwa zwölf Prozent der deutschen Beschäftigten ausmacht. Besser geht’s kaum – zusätzliche Belastungen hält er für gänzlich ungerecht.

Der Handwerkspräsident Dittrich hebt hervor, dass für eine starke Wirtschaft die Wertschätzung der beruflichen Ausbildung entscheidend ist. Er fordert daher nicht nur politische Bekenntnisse, sondern auch mehr Investitionen, vor allem um den massiven Sanierungsstau in den Ausbildungsstätten abzubauen. Trotz positiver Entwicklungen bei Ausbildungszahlen im Handwerk bleibt es eine zentrale Aufgabe, Ausbildungsberufe für junge Menschen attraktiver zu machen und ungerechtfertigte finanzielle Belastungen für engagierte Betriebe zu vermeiden. Internet-Recherche ergänzt: Die Diskussion um Gleichstellung von beruflicher und akademischer Ausbildung gewinnt vor allem durch den sich zuspitzenden Fachkräftemangel neue Dringlichkeit. Programme zur Modernisierung von Ausbildungsstätten erhalten aktuell mehr Aufmerksamkeit, da viele Handwerksbetriebe befürchten, im Wettbewerb um Nachwuchs gegenüber Hochschulen ins Hintertreffen zu geraten. Um jungen Leuten den Zugang zum Handwerk zu erleichtern, werden bundesweit neue Fördermodelle und Imagekampagnen geplant, wie ein Überblick über aktuelle politische Debatten zeigt.

Schlagwort aus diesem Artikel