Der große Gewinner des diesjährigen DOK.fest München ist ohne Zweifel der Film "The Narrative" aus der Schweiz. Bernard Weber und Martin Schilt haben darin jahrelang das Leben des Kweku Adoboli begleitet – zumindest die Kapitel, die den Finanzskandal rund um die UBS, einen beispiellosen Kontrollverlust und die gerichtlich verhängte Strafe von sieben Jahren Haft betreffen. Adoboli, als vermeintlicher Sündenbock ins Rampenlicht gezerrt, wird hier nicht nur als mediale Projektionsfläche, sondern auch als Mensch porträtiert. Die Dokumentation arbeitet mit Laien-Schauspielern, die die bekannten Prozesse nachstellen, und stellt gewohnte Schuldzuweisungen infrage. Es ist ein Film über Systemversagen und die Frage: Gibt es in der globalen Finanzwelt eigentlich noch so etwas wie individuelle Verantwortung – oder sind die Strippen längst anderenorts gezogen?
Der VIKTORIA Main Competition DOK.international-Preis, vom BR gestiftet, ist mit 10.000 Euro dotiert und belohnt Filme, die mehr leisten als cineastische Schönmalerei: hier geht es um mutige Themen, Handschrift und formale Vielfalt.
Den kinokino Publikumspreis sicherte sich "When Pigs Fly" von Denise Riedmayr – ein Film, der unser Verhältnis zu Schweinen, diesen so unterschätzten Tieren, recht unbequem befragt. Denn: Schweine sind für viele nur dann von Wert, wenn sie auf dem Teller landen. Der Film tastet sich behutsam an ethische und medizinische Grenzfragen heran – etwa, wie das Herz eines Schweins zum Lebensretter für Menschen wird – und kommt dabei der engen, manchmal widersprüchlichen Beziehung zwischen Mensch und Schwein näher als so mancher Ferkelstall. Zwei Tierärztinnen stehen im Zentrum, und plötzlich verschwimmen im Kliniklicht die Grenzen zwischen Nutztier und Familienmitglied.
Beide Filme stehen für eine dokumentarische Offenheit, die einem manchmal schlucken lässt – und sind noch bis 25. Mai online beim DOK.fest München @home abrufbar. Wer es im Fernsehen lieber mag, bekommt die Berichterstattung rund um Preisgewinner und Publikumslieblinge am 19. Mai auf 3sat oder später in der Mediathek serviert. Fotos und weitere Informationen, sowohl zu den Filmen als auch zum Festivalbetrieb, gibt’s bei den bekannten Adresse(n) des BR und auf den Festivalseiten.
Bei der diesjährigen Ausgabe des DOK.fest München wurde der Schweizer Dokumentarfilm "The Narrative" mit dem begehrten VIKTORIA-Preis der Main Competition ausgezeichnet. Die Regisseure Bernard Weber und Martin Schilt werfen darin einen schonungslosen Blick auf die Hintergründe des Finanzskandals um UBS-Mitarbeiter Kweku Adoboli, wobei das Zusammenspiel von individueller Schuld und dem Druck globaler Finanzsysteme kontrovers beleuchtet wird. Gleichzeitig gewann "When Pigs Fly" aus Deutschland den Publikumspreis für die einfühlsame Auseinandersetzung mit der widersprüchlichen Beziehung zwischen Mensch und Schwein, insbesondere mit Blick auf medizinische Innovationen und ethische Fragen– ein Thema, das derzeit auch in der Debatte um Organspenden, Massentierhaltung und Tierwohl immer wieder an Brisanz gewinnt.
Die Wichtigkeit solcher Dokumentarfilme spiegelt sich in ihrer gesellschaftlichen Relevanz wider: Sie regen eine breite Diskussion zu Verantwortung, Ethik und unseren Umgang mit Tieren an. Laut aktuellen Berichten, unter anderem von süddeutsche.de und zeit.de, sehen sich Dokumentarfilmfestivals in Deutschland aktuell mit wachsendem Publikumsinteresse konfrontiert, nehmen aber auch die Herausforderung wahr, gesellschaftlichen Wandel und pluralistische Sichtweisen widerzuspiegeln. Außerdem werden die Beiträge von Festivalfilmen wie "When Pigs Fly" für ihre gesellschaftliche Relevanz als Impuls für politische Diskussionen etwa über Tierwohl und Gentechnik hervorgehoben. So zeigt sich einmal mehr: Dokumentarfilm ist weit mehr als bloße Beobachtung – er bleibt ein Stachel im Fleisch gesellschaftlicher Routine.