Mainz/Berlin – Wer heute an digitalen Übergriffen denkt, sieht schnell Hasskommentare oder Datendiebstahl vor Augen. Doch eine andere Form digitaler Gewalt schwebt unbemerkt durch den Alltag: Heimliche Videos, etwa am Strand, auf Feiern oder gar in der Sauna, landen ungefragt im Netz – und damit im Fokus einer beunruhigten Gesellschaft. Laut einer infratest dimap-Umfrage im Auftrag von „team.recherche“ sind 85 Prozent der Deutschen der Meinung, diese verdeckten Aufnahmen seien ein ernsthaftes oder sogar sehr großes Problem (bei den Frauen sind es sogar 89 Prozent). Ihre Erfahrungen liefern den Ton für eine neue Dokumentation, in der die Stimmen von Frauen im Vordergrund stehen, die durch solche Übergriffe zum bloßen Objekt von Spott und Erniedrigung wurden.
Im Hintergrund: Der Gesetzgeber arbeitet an neuen Regeln. Doch wie belastbar sind sie wirklich? Die Kölner Jura-Professorin Indra Spiecker moniert, dass der neue Entwurf von Justizministerin Hubig (SPD) enttäuschend offen bleibt: So sei der Begriff einer „sexuell bestimmten Weise“ zu vage – die alltäglichen Grauzonen, wie etwa ein Bikini-Clip, blieben im Zweifel unangetastet. Enttäuschend, vor allem für Betroffene, die auf klare Härte und nachvollziehbare Gesetze hoffen.
Ein besonders brisanter Aspekt: Die Rolle von sogenannten "Smart Glasses" – Hightech-Brillen, die als Werkzeug für Datendiebe dienen können. Online existieren bereits Komplizennetzwerke, in denen sich Filmer über Tricks und Erfahrungen austauschen, wie sie immer raffinierter heimlich Videos erstellen und gesellschaftliche Tabus gezielt übertreten.
Das neue Format „team.recherche“ will diesen drängenden Fragen nicht analytisch und distanziert begegnen, sondern nah an Betroffenen. Es ist ein journalistisches Gemeinschaftsprojekt, hinter dem Teams junger Reporter unterschiedlicher ARD-Anstalten stehen – mit einer Mischung aus Investigation, Alltagsnähe und den spezifischen Perspektiven Betroffener. Die umfassende Doku ist ab 13. Mai 2026 in der ARD Mediathek zu finden. Weitere Informationen und Hintergründe finden sich auf den Social-Media-Kanälen und den offiziellen Webseiten der ARD.
Heimliches Filmen in privaten Situationen ist für die große Mehrheit der Deutschen ein massives Problem, wie eine neue infratest-dimap-Umfrage im Auftrag des SWR zeigt. 85 % der Befragten empfinden digitale Übergriffe durch unerlaubte Aufnahmen als schwerwiegend, insbesondere Frauen sind betroffen. Die ARD-Recherche-Doku 'Heimlich gefilmt – online gedemütigt: Warum Du jetzt nirgends mehr sicher bist' beleuchtet Fälle von Betroffenen, beleuchtet aber auch rechtliche Baustellen und technische Trends wie Smart Glasses. Rechtspolitisch gibt es Kritik am aktuellen Anlauf der Bundesregierung, den Schutz vor heimlichen Filmaufnahmen zu verschärfen: Die vorgesehenen Regelungen gelten Experten als zu unbestimmt und werden daher kaum als wirklich wirksam eingeschätzt. Experten warnen, dass neue technische Möglichkeiten wie Wearables und versteckte Kameratechnik das Problem in Zukunft sogar eher noch verschärfen könnten, während gleichzeitig das gesellschaftliche Bewusstsein (insbesondere für weibliche Opfer) wächst. Besonders erschreckend ist, dass mittlerweile organisierte Online-Communitys ihre Tipps und Vorgehensweisen zum heimlichen Filmen austauschen. Aktuelle Recherchen zeigen zudem, dass Fälle von digitaler Gewalt (etwa durch Verbreitung intimer Aufnahmen) bei den Strafverfolgungsbehörden häufig kaum verfolgt oder von den Social Media Plattformen nur zögerlich gelöscht werden.