Der 17. Mai, traditionell ein Tag des Gedenkens und der Solidarität für queere Menschen, stand dieses Jahr im Zeichen deutlicher Worte von UN-Generalsekretär António Guterres. Trotz vieler Fortschritte für LGBTQIA-Personen in den letzten Jahrzehnten sehe er einen besorgniserregenden Rückwärtstrend: 'Überall auf der Welt werden Meinungs- und Versammlungsfreiheit beschnitten, Hass gezielt geschürt, Aktivisten bedroht und lebenswichtige Ressourcen gekürzt.' Er hob hervor, dass zum ersten Mal seit Jahren die Anzahl der Länder, die gleichgeschlechtliche Liebe kriminalisieren, gestiegen sei. Die Sicherheitslage queerer Menschen drohe sich global zu verschärfen, insbesondere weil sie häufig als Sündenböcke herhalten müssten. 'Identität darf kein Verbrechen sein', betonte Guterres eindringlich – wohl wissend, dass dieses Ideal fern der Realität vieler Betroffener liegt. Er erinnerte daran, dass dieses Jahr das Motto 'Im Herzen der Demokratie' trage, ein Verweis darauf, dass echte Demokratie ohne Gleichheit und Sicherheit für alle unvollständig bleibe. Die UN sehe sich in der Pflicht, „ohne Ausnahme und ohne Diskriminierung“ für jedes Mitglied der Weltgemeinschaft einzustehen. Guterres schloss mit dem Aufruf, gemeinsam für Menschenwürde und Chancengleichheit einzutreten – auch wenn das mehr Kraft und Mut abverlangt, als ein bloßes Lippenbekenntnis.
Der Gedenktag hat eine bittere Geschichte: Er erinnert unter anderem an den 17. Mai 1990, als die WHO Homosexualität von der Liste der psychischen Krankheiten strich. Gerade Deutschland trägt hierbei besondere Verantwortung – Jahrzehnte der Verfolgung unter §175, mit zehntausenden Verurteilungen und tausenden Gefangenen in KZs, mahnen zur Wachsamkeit. Die allmähliche Entkriminalisierung in West- und Ostdeutschland zog sich bis zur Wiedervereinigung und bleibt Mahnung, wie brüchig gesellschaftlicher Fortschritt am Ende sein kann.
António Guterres warnte am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter-, Trans- und Asexuellenfeindlichkeit (IDAHOBIT) vor einer alarmierenden Gegenbewegung: Mehr Staaten kriminalisieren homosexuelle Beziehungen wieder und schränken Freiheiten ein. Hetze und der gesellschaftliche Druck auf LGBTQIA-Menschen nehmen vielerorts zu, nicht zuletzt durch gezielte Angriffe, politische Rückschritte und Mittelentzug für unterstützende Strukturen. Weltweit kommt es aktuell zu Protesten gegen LGBTQIA-feindliche Gesetzesverschärfungen; in Ländern wie Uganda und Russland erfahren queere Menschen dramatische Repressalien – etwa einschneidende Anti-LGBTQ-Gesetze oder die Ausweitung von Diskriminierung auf offizieller Ebene. Gleichzeitig ist aber auch ein robustes Engagement von Teilen der Zivilgesellschaft und internationalen Organisationen zu beobachten: Sie versuchen, Diskriminierung juristisch zu bekämpfen, und setzen öffentliche Zeichen für Gleichwertigkeit und Respekt.