Die deutschen Krankenhäuser – insbesondere die Asklepios Lungenzentren in Hamburg und München – schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: Die Fallzahlen von Lungenkrebs, allein in ihren Häusern, sprechen eine brutal eindeutige Sprache. Bereits seit Jahren werden keine wesentlichen Fortschritte bei der Zurückdrängung der Nikotinsucht in der Bevölkerung gemacht, prangert Dr. Gunther Wiest, Leiter der Pneumologie in Harburg, an. Er fordert eine komplette Neuausrichtung der Präventionspolitik, ähnlich wie sie seit Jahren schon in Großbritannien aufgebaut wird: Mehr Regulierung, Preisanhebungen für Tabak und gezielte Aufklärung. Für Dr. Wolfgang Gesierich aus Gauting ist unmissverständlich klar, dass ohne Vorbeugung kein echter Durchbruch erreicht werden kann – die medizinischen Verbesserungen nützen am meisten, wenn die Krankheit gar nicht erst entsteht. CMO Dr. Sara Sheikhzadeh unterstreicht: 'Wir erleben tagtäglich die katastrophalen Folgen des Rauchens, immer öfter auch bei Frauen.' Tatsächlich lässt sich ein deutlicher Anstieg beim Frauenanteil feststellen: Lag die Rate in den Hamburger Kliniken 2019 noch bei 41 %, sind es inzwischen schon 47 %. Erschreckend: Laut Deutschem Krebsregister gab es 2024 erstmals mehr Lungenkrebs-Tote unter Frauen als durch Brustkrebs. Dr. Maren Kirchhöfer, Chefärztin für Thoraxchirurgie, sieht die Ursache klar in jahrzehntelangem Tabakkonsum – viele Patienten seien letztlich Opfer verschleppter und halbherziger Prävention. Fachgesellschaften wie die Deutsche Krebsgesellschaft und das Deutsche Krebsforschungszentrum unterstützen die Forderungen der Asklepios-Expert:innen: Eine nationale Anti-Rauch-Strategie, höhere Steuern, Werbeverbote und professionelle Tabakentwöhnung als politische Pflichtaufgabe.
Die unerschütterlich hohen Erkrankungs- und Sterberaten bei Lungenkrebs in Deutschland werfen ein grelles Schlaglicht auf das politische Versagen beim Thema Tabakbekämpfung. Genau das verlangt die Ärzteschaft nun auch öffentlich: ein Kurswechsel, der Tabakprävention – inklusive strenger Regulierung, Preismaßnahmen und verpflichtender Aufklärung – zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe macht. Neuere Daten zeigen zudem einen alarmierenden Trend: Immer mehr Frauen sterben an Lungenkrebs, was ein Umdenken in Aufklärung und Jugendschutz dringend nötig macht.
Erweiterte Recherche: Die Debatte rund um die Tabakkontrolle hat zuletzt Aufwind bekommen, etwa nach der Ankündigung Großbritanniens, den Verkauf von Tabak an alle, die nach 2009 geboren wurden, zu verbieten. In Deutschland hinken die politischen Beschlüsse deutlich hinterher: Weder gibt es ein flächendeckendes Werbeverbot noch reicht das Tabaksteuerniveau an europäische Spitzenreiter heran. Auch Programme zur Tabakentwöhnung sind vergleichsweise schlecht ausgestattet – und das, obwohl laut aktuellem WHO-Bericht striktere Rauchkontrollen einen bedeutenden Effekt auf die Gesundheit der Bevölkerung hätten. Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Deutschen Krebsforschungszentrums würden etwa zwei von drei Lungenkrebserkrankungen entfielen, wenn niemand mehr rauchte. Zudem zeigt sich, dass Jugendliche in Deutschland durch lockere Gesetzeslage und Werbung noch immer leicht an Zigaretten und E-Zigaretten kommen.