Lauterbach mahnt: Privatisierung von Zahnarztkosten keine Lösung

Karl Lauterbach, einst deutscher Gesundheitsminister und bekennender Sozialdemokrat, kritisiert scharf den CDU-Vorschlag, Zahnarztleistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung herauszunehmen und komplett zu privatisieren.

heute 00:02 Uhr | 4 mal gelesen

Mit einem Anflug angriffslustiger Nachdenklichkeit reagierte Lauterbach auf das Vorhaben des CDU-Wirtschaftsrates, dass Patienten demnächst Zahnarztbesuche selbst bezahlen sollen – und das wohlgemerkt trotz Krankenversicherung. "Notwendige medizinische Leistungen müssen für alle effizient zugänglich bleiben, statt sie dem Markt zu überlassen", betonte er gegenüber der 'Rheinischen Post' am Dienstag. Inmitten der aktuellen Debatte warnt Lauterbach davor, die Menschen ständig durch Diskussionen um Sozialabbau zu verunsichern, ohne gleichzeitig tragfähige Wege für mehr Wirtschaftswachstum vorzulegen. "Das könnte ausgerechnet Parteien wie der AfD in die Hände spielen", gibt er zu bedenken. Auf Seiten des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung klingt indes eine gewisse Zurückhaltung mit: Der Vorschlag sei nur einer von vielen, wie man die GKV in eine neue Zukunft führen könne. Eine GKV-Sprecherin verweist lieber auf die erwarteten Ergebnisse der Finanzkommission Gesundheit – es dränge sich der Eindruck auf, man wolle sich zu heiklen Themen nicht festlegen, solange Zahlen fehlen.

Das Thema, ob Zahnarztleistungen künftig ausschließlich privat bezahlt werden sollen, bewegt zurzeit Politik und Gesellschaft gleichermaßen. Kritiker wie Karl Lauterbach warnen vor der sozialen Sprengkraft solcher Pläne: Wer die Eigenverantwortung der Patienten betont, ohne das Grundversprechen von Solidarität und bezahlbarer Gesundheitsversorgung zu erneuern, droht gesellschaftliche Spaltung zu verschärfen. Recherchen zeigen außerdem, dass etwaige Kostensteigerungen zuerst sozial Schwächere träfen, während die Finanzierungslücken der gesetzlichen Krankenversicherung nicht ursächlich gelöst würden. Die Debatte knüpft an Diskussionen um eine nachhaltige Finanzierung des Gesundheitssystems an, wobei viele Fachleute eine Entlastung durch Strukturreformen und weniger durch reine Kostenauslagerungen sehen. Neue Entwicklungen und Stimmen – wie das Zögern der GKV beim Kommentar und der Hinweis auf die anstehende Finanzkommission – verdeutlichen, wie angespannt die Lage ist: Zu schnell könnte eine unbedachte Entscheidung gesellschaftliches Vertrauen verspielen.

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