Lockerung des Verbrenner-Verbots bremst den E-Auto-Boom

Unsicherheit macht sich breit: Eine neue Analyse zeigt, dass die jüngste EU-Entscheidung, das Aus für Verbrennungsmotoren weniger strikt zu gestalten, dem Absatz von Elektroautos schadet – und das Klima belastet.

heute 00:02 Uhr | 5 mal gelesen

Interessant, wie schnell sich Stimmungen und politische Rahmenbedingungen verschieben können – manchmal schneller, als ein Ladesäulennetz aus dem Boden wächst. Die jüngste Studie der Brüsseler Denkfabrik T&E schlägt Alarm: Schleift die EU ihre CO2-Grenzwerte und lässt Verbrennungsmotoren, freilich auch Hybride und Sonderlösungen wie Range-Extender, länger laufen, könnte der Anteil elektrischer Fahrzeuge von ursprünglich prognostizierten 100 Prozent auf gerade mal 85 Prozent absacken. Zehn Prozent mehr CO2-Ausstoß – gut 720 Millionen Tonnen zusätzlich bis 2050 – stehen im Raum, trotz Anrechnung von 'grünerem' Stahl, wie berechnet wurde. Sebastian Bock, Deutschlandchef von T&E, äußert sich recht bildhaft: "Das ist, als würde man bei einem Wettrennen gleich auf die rostigen Gäule setzen, während das Spitzenpferd schon losgaloppiert!" Das Vorziehen der Elektromobilität gerät ins Stocken – vielleicht bleiben wir sogar zurück, so Bock, und riskieren Arbeitsplätze in der Schlüsselindustrie. Klingt polemisch, und doch schwingen Zweifel mit: Kann man wirklich auf technologische Offenheit setzen, wenn der Rest der Welt auf Batterieantrieb umschwenkt? Wie so oft, während Politiker von Wahlfreiheit sprechen, spielen wirtschaftliche und klimapolitische Risiken im Untergrund die eigentliche Musik. Ganz ehrlich – als Autofahrer ist man längst desorientiert zwischen Fördergeldern, Ladehemmnissen und Ankündigungsfluten.

Die Abkehr der EU vom strikten Verbrenner-Aus könnte dazu führen, dass der E-Auto-Markt signifikant weniger wächst, als noch vor wenigen Monaten prognostiziert wurde. Dadurch drohen laut T&E-Analyse sowohl höhere CO2-Emissionen als auch Nachteile für die Industrie – nicht zuletzt, weil Unsicherheit Investitionsentscheidungen erschwert. Einige aktuelle Kommentare und Branchenberichte machen deutlich, dass Autokonzerne zwischen verschiedenen Technologien lavieren und regelmäßig neue Richtungswechsel seitens der Politik bemängeln. Das Thema ist hochaktuell: Laut einer neuen Befragung des ADAC etwa zögern viele Konsumenten wegen der anhaltenden Unsicherheiten beim Antrieb und mangelnder Ladestationen mit dem Umstieg auf E-Autos (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die Bundesregierung diskutiert darüber hinaus neue Fördermaßnahmen, um die Ladeinfrastruktur massiver auszubauen, gibt sich aber zurückhaltend bezüglich eines fixen Enddatums für den Verbrenner, was für weitere Unsicherheit sorgt (Quelle: Zeit Online). Unterdessen rücken internationale Wettbewerber auf den EU-Markt vor, weil sie sich von der Verunsicherung Vorteile versprechen und aggressiv mit günstigeren Modellen aus China und den USA Lockangebote machen (Quelle: FAZ).

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