Eigentlich ein alter Hut, und trotzdem: Die Sache mit dem Parteibuch scheint bei Özdemir wirklich nicht als Heiligenschein durchzugehen. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung betont er fast lässig, ihm gehe es vorrangig „um die überzeugendste Idee – egal, wer sie bringt“. Als Bedingung für seine Kandidatur hat er sich von den Grünen, so erzählt er, weitgehende Freiheit, quasi 'freie Fahrt', im Wahlkampf wie beim Koalitionspoker zusagen lassen. Spannend sind die Gerüchte rund um den parteilosen Boris Palmer, Tübingens nicht minder kontroversen Oberbürgermeister. Nach dessen Austritt bei den Grünen ist die Vermutung, Özdemir könne Palmer dennoch in sein mögliches Kabinett holen, gar nicht weit hergeholt. Und überhaupt: Baden-Württembergs Automobilindustrie ist für ihn nicht verhandelbar. Özdemir will auf EU-Ebene feste Auflagen für chinesische Autobauer – das könne er sich als Chef im Land durchaus vorstellen. Machen chinesische Behörden deutschen Produzenten das Leben schwer, kontert Özdemir: Dann halt auch mal umgekehrt. Der Ton: Selbstbewusst, nicht ohne einen Schuss Augenzwinkern, und mit klarer Kante nach Brüssel.
Cem Özdemir präsentiert sich offensiv als Pragmatiker im Wahlkampf für Baden-Württemberg und will für sein Team auf parteifreie Kompetenzen setzen. Besonders im Fokus steht dabei die Automobilbranche, deren Schutz und Weiterentwicklung sich Özdemir auf die Fahnen schreibt. Außerdem fordert er von der EU, ähnlich strenge Produktionsbedingungen für chinesische Autobauer einzuführen, wie sie umgekehrt für europäische Unternehmen in China gelten – das Ganze mit dem Argument der Fairness und Wettbewerbsfähigkeit. In jüngsten Medienberichten wurde diese Diskussion weiter aufgegriffen: Laut "t3n.de" steht Europa derzeit unter Druck, angesichts chinesischer E-Auto-Offensiven eigene Industrien zu schützen, während "faz.net" die aktuelle Debatte um Importzölle und Handelsbeschränkungen zwischen China und der EU beleuchtet. Die "Süddeutsche Zeitung" legt nach und berichtet, dass führende deutsche Autohersteller verstärkt auf die Kooperation mit lokalen Zulieferern setzen, um sich abzusichern und Innovationen voranzutreiben.