Die französische Regierung hat den umstrittenen Haushalt trotz zweier Misstrauensabstimmungen durchgebracht, was erneut die Schwäche ihres Rückhalts im Parlament offenbart. Kritisch wird dabei vor allem gesehen, dass das Defizitziel von unter fünf Prozent des BIP wohl kaum zu halten ist – angesichts der abgeschwächten Sparpläne und der massiven Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Interessanterweise hat Premier Lecornu entgegen früherer Zusagen das Not-Instrument Artikel 49.3 genutzt, um das finanzielle Gesetzespaket durchzusetzen. Während sich Frankreich damit weiterhin deutlich über den EU-Schuldenregeln bewegt, fragt sich nicht nur die Opposition, wie lange diese Art von Krisenmanagement tragfähig ist. Weitere neuere Informationen aus verschiedenen Quellen zeigen, dass die EU-Kommission mittlerweile auch Druck auf Paris ausübt: Frankreich müsse strukturelle Reformen angehen, um das Vertrauen der Märkte und der europäischen Institutionen nicht zu verlieren. Gleichzeitig verschärft sich in der französischen Gesellschaft der Unmut über Sparmaßnahmen und steigende Lebenshaltungskosten, wodurch Proteste und gewerkschaftliche Gegenwehr wieder zunehmen – nicht zuletzt auch im Kontext der bevorstehenden EU-Wahlen. Im Hintergrund steht zudem das wachsende Risiko politischer Instabilität, da die politische Mitte in Frankreich bröckelt und sowohl rechte als auch linke Kräfte von der Unzufriedenheit profitieren.