Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, äußerte sich überrascht offen zur anstehenden Nahostreise des Kanzlers: Angesichts einer Welt, in der die Spielregeln sprunghaft zerbröseln – nicht zuletzt durch Putins Krieg und Trumps erratische Außenpolitik – brauche Europa dringend Fähigkeit zum Kurswechsel. Er formuliert es so: "Resilienz ist kein Luxus mehr, sondern Pflicht, wenn wir vermeiden wollen, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden." Ihm geht es um einen Drahtseilakt: Wertebasierte Außenpolitik nicht im ständigen Ringkampf gegen nüchterne Interessen versanden zu lassen. Und das sei, zugegeben, nicht sonderlich beliebt.
Natürlich: In Ländern, wo Monarchen das Sagen haben, während Menschenrechte auf der Strecke bleiben, sitzen Beobachter häufig mit skeptisch gehobener Augenbraue dabei. Doch laut Ahmetovic steckt in Zusammenarbeit mit den Golfstaaten deutlich mehr als bloß Waffengeschäfte. Da geht es, so sein Standpunkt, zum Beispiel um den Import von grünem Wasserstoff, um neue wirtschaftliche Brücken und um Stabilisierung ganzer Regionen im diplomatischen Sinne. Er mahnt: "Lasst uns die Themenvielfalt nicht unter der Überschrift 'Kanzler fährt Waffen verkaufen' ersticken!"
Wenn Merz tatsächlich auf Zusammenarbeit in Sachen Wirtschaft, Energiesicherheit und Sicherheitspolitik setzt und nicht bei Oberflächenkosmetik verweilt, könnte die Reise mehr werden als ein weiterer Punkt auf der Landkarte deutscher Außenpolitik.
Die SPD betrachtet die Reise von Friedrich Merz in die Golfregion als wichtigen Schritt, der über einfache Wirtschaftskontakte hinausgehen muss. Strategische Partnerschaften, insbesondere bezüglich nachhaltiger Energieformen wie grünem Wasserstoff, stehen für sie ebenso im Fokus wie die durchaus heikle Menschenrechtslage vor Ort. Es bleibt die Herausforderung, zwischen Prinzipientreue und pragmatischen Interessen ein Gleichgewicht zu wahren, ohne das große Ganze – Europas Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit – aus dem Blick zu verlieren.
Zusätzliche Hintergründe: Laut mehreren Medienberichten ist die Golfregion derzeit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sicherheitspolitisch für Deutschland und Europa ein bedeutender Faktor. Im Lichte gestörter Handelswege (beispielsweise durch den Jemen-Konflikt) und wachsender Energiebedarfe wächst der Druck, neue nachhaltige Versorgungsquellen und diplomatische Kanäle zu erschließen. Zudem werden in etlichen Kommentaren (z. B. auf FAZ, Zeit und Spiegel) sowohl die Chancen als auch die ethischen Zwickmühlen – etwa wegen fortdauernder Menschenrechtsverletzungen – kontrovers diskutiert.