Zukunft der Medizin: Ärztinnen und Ärzte plädieren für mehr Mut zu Innovationen und besseren Zugang

Hamburg – Eine neue Umfrage unter über 260 Medizinerinnen und Medizinern verschiedener Fachrichtungen offenbart: Medizinische Neuerungen sind für sie unverzichtbar, dringen aber längst nicht überall zu den Patient:innen durch. Viele von ihnen schlagen deshalb Alarm: Es braucht ein investitionsfreudigeres, reformorientiertes Gesundheitssystem, damit neue Therapien rascher und breiter ankommen.

heute 17:27 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn es um bahnbrechende Neuerungen in der Medizin geht, sind sich fast alle befragten Ärzt:innen einig: Ohne Innovationen läuft nichts. Diese werden besonders dringlich, wenn gängige Behandlungen versagen – etwa bei therapieresistenten oder seltenen Erkrankungen. Trotzdem berichten Viele aus dem Berufsalltag, dass der Weg von der Laborbank ans Krankenbett oft quälend lang und voller Hürden ist. Im Vergleich zu den USA hinkt Deutschland, so das Stimmungsbild der Umfrage, sichtbar hinterher. Dort sind seit 2015 beinahe zwanzig innovative Medikamente für schwere Krankheitsbilder zugelassen worden, von denen Patientinnen und Patienten hierzulande nur träumen. Viele Mediziner:innen nehmen die restriktive Regulierung, gepaart mit stagnierenden Investitionen, als Wachstumshemmnis wahr. Ganze 80 Prozent fordern gezielte Förderung von Forschung, Entwicklung und Versorgung; nur eine kleine Minderheit sieht Deutschland aktuell international auf Augenhöhe. Interessant: Die Diskussion um das AMNOG-Verfahren, das den Zusatznutzen neuer Arzneien bewerten soll, erfährt vermehrt Kritik. Fast 90 Prozent setzen sich für eine Modernisierung dieses Systems ein. Hier geht es nicht nur um Lebensverlängerung, sondern um Lebensqualität und individuell wirksame Therapien. Tatsächlich sind Kriterien wie Nebenwirkungen oder „therapiefreie Zeit“ aus Sicht der Befragten alles andere als nebensächlich. Unterm Strich lässt sich sagen: Die Ärzteschaft sieht in der Innovationsförderung einen entscheidenden Schlüssel zur Gesundheitsversorgung – und fürchtet, dass ohne Strukturwandel wertvolle Chancen für Patient:innen verloren gehen.

Letztlich zeigt die Umfrage ein klares Stimmungsbild – Innovationen gelten als zentral für die Behandlungserfolge, aber bürokratische Hürden und ein Mangel an Investitionen bremsen den Fortschritt spürbar. Mehr als vier Fünftel der Befragten fordern konkrete politische Initiativen und finanzielle Anreize, damit Deutschland wieder auf Augenhöhe mit internationalen Forschungsstandorten kommt. Die Notwendigkeit, neue Bewertungsmaßstäbe einzuführen und patientenorientierte Ansätze zu stärken, wird dabei ebenso betont wie der Reformbedarf beim AMNOG. Ergänzend wird in aktuellen Berichten darauf hingewiesen, dass auch digitale Innovationen, z.B. im Bereich Telemedizin und Künstliche Intelligenz, das Potenzial haben, Versorgungslücken zu schließen und die Erprobung neuer Therapien zu beschleunigen. Gleichzeitig warnen Experten vor einem zunehmenden europäischen Innovations-Rückstand, der sich aus restriktiveren Zulassungsverfahren und kurzfristig orientierten Sparmaßnahmen speist. Jüngste Initiativen im Bundestag diskutieren daher breit die Einrichtung besser ausgestatteter Förderfonds und flexiblerer Zulassungspfade für innovative Arzneimittel und Diagnostika. Dabei wird auch der Fachkräftemangel, etwa im Bereich klinischer Studien, als zentrales Problem identifiziert, das gezielt adressiert werden müsse.

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