Nato rüstet für Mission „Arctic Sentry“: Schutz der Arktis rückt in den Fokus

Die konkreten Vorbereitungen für eine Nato-Mission zur Sicherung der arktischen Region rund um Grönland gewinnen an Fahrt – ein Schritt, der die Bedeutung des Nordens neu betont.

heute 17:30 Uhr | 3 mal gelesen

Irgendwo zwischen endlosen Eisfeldern und eiskalten Küsten sitzt US-General Alexus Grynkewich und gibt einen Befehl, der wohl mehr bedeutet als bloße Bürokratie: So berichtet zumindest der „Spiegel“, dass die Planungen für die Nato-Mission „Arctic Sentry“ – zu deutsch: Wächter der Arktis – jetzt ernsthaft anlaufen. Ein Sprecher, Oberst Martin O'Donnell, bestätigt, dass Aktivitäten zur erhöhten Wachsamkeit in der Region in Vorbereitung sind. Was das konkret heißt? Das bleibt erstmal noch im Nebel nordischer Zurückhaltung – Details gibt es noch keine. Interessant ist die Entstehungsgeschichte: Die Idee stammt ursprünglich daher, den langjährigen Wunsch von Donald Trump zu befriedigen, Grönland gewissermaßen unter US-Kontrolle zu bringen – damals, als eingeweihte Kreise noch von einer geplanten Übernahme sprachen, wenn nötig mit Gewalt. Trump hatte der Nato regelmäßig vorgeworfen, viel zu wenig für die Sicherheit des Nordens zu tun, also quasi eine Lücke im Eis zu lassen. Die Nato reagiert jetzt – mit Übungen, Kontrollfahrten von Kriegsschiffen, verbesserter Luftraumüberwachung und temporärer Stationierung von Landstreitkräften auf der riesigen Insel. All das noch im Stadium erste Pläne, aber schnell könnte laut O'Donnell aus Losem etwas Greifbares werden. Bereits nächste Woche soll das Thema auf dem Treffen der Verteidigungsminister diskutiert werden. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius ist laut eigenen Aussagen schon an Bord – und nennt direkt konkrete Beispiele, wie deutsche Beteiligung aussehen könnte: Dazu zählen Marineeinsätze, Überwachungsflüge mit Seefernaufklärern vom Typ P-8 und sogar die Entsendung von Eurofightern. Überraschend? Vielleicht nicht. Aber am Ende bleibt doch die Frage: Was geschieht, wenn der Wettlauf um die Arktis nicht mehr nur politisches Planspiel ist?

Die Nato leitet die Planung für die Mission „Arctic Sentry“ ein, deren Ziel es ist, die militärische Präsenz und Überwachung in der Arktis rund um Grönland zu erhöhen. Die Mission erfolgt vor dem Hintergrund verstärkter geopolitischer Spannungen, unter anderem ausgehend von den US-amerikanischen Forderungen nach mehr Engagement in der strategisch wichtigen Region, um russischen und chinesischen Aktivitäten entgegenzuwirken. Das Vorhaben umfasst u.a. den Einsatz von Nato-Kriegsschiffen, Luftraumüberwachung sowie zeitweilige Stationierung von Truppen; Deutschland hat eine Teilnahme bereits zugesagt. Ergänzend dazu berichten Medien wie die Süddeutsche, dass im Wind des Klimawandels und geschmolzenen Eises neue wirtschaftliche Interessen aufkeimen, zum Beispiel Schifffahrtsrouten und Rohstoffabbau. Laut FAZ plant die Nato auch eine stärkere Einbindung Kanadas und skandinavischer Staaten, da sich die Sicherheitslage durch Russlands Aktivitäten zuletzt deutlich verschärft habe. Die Zeit betont, wie sensibel die Region geopolitisch ist – mit Blick auf indigene Bevölkerungsinteressen, Umweltbedenken und die Frage, wem eigentlich das Eis unter den Füßen gehört.

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