Spahn wirft in einem Interview mit dem 'Handelsblatt' die Frage auf, ob Deutschland und Europa sich nicht unabhängiger in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik aufstellen sollten. Ihm zufolge sei die Wiederbelebung des Wehrdiensts – zunächst auf freiwilliger Basis, im Zweifel aber auch verpflichtend – ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus müsse der Dialog über die nukleare Teilhabe neu geführt werden. Speziell in Bezug auf Atomwaffen positioniert Spahn sich vorsichtig: Anstatt einen deutschen Alleingang zu fordern, spricht er sich für eine europäische Herangehensweise aus: 'Deutschland sollte bei solchen Fragen immer europäische Lösungen suchen.' Gleichzeitig warnt er jedoch davor, das transatlantische Bündnis mit den USA leichtfertig infrage zu stellen – denn die US-amerikanische Präsenz sei, Stand jetzt, unverzichtbar für Europas Sicherheit. Besorgniserregend findet Spahn allerdings die verstärkten Beziehungen zwischen AfD-Politiker*innen und US-Republikanern, weil dort angebliche Narrative über Deutschlands Demokratie kursieren. Um dem entgegenzuwirken, bemühe er sich um mehr Aufklärungsarbeit und eine aktivere Rolle der Union in den transatlantischen Beziehungen. Interessant ist, dass Spahn zwischen notwendiger Eigenständigkeit und der Gefahr einer Entfremdung von den Vereinigten Staaten abzuwägen scheint; fast so, als gehe die gegenwärtige europäische Sicherheitspolitik auf einem brüchigen Seil.
Jens Spahn fordert, dass Deutschland und Europa sich sicherheitspolitisch auf eigene Beine stellen, bleibt aber vorsichtig: Die USA sind seiner Ansicht nach auf absehbare Zeit unverzichtbar für Europas Verteidigung. Die Diskussion um eine Rückkehr der Wehrpflicht und eine offene Debatte über Deutschlands Rolle in der nuklearen Abschreckung stehen für ihn im Zentrum der aktuellen Sicherheitslage. Spahn betont die Notwendigkeit europaweiter Lösungen, warnt aber zugleich vor einer Illusion der völligen Unabhängigkeit und plädiert daher für ein Gleichgewicht zwischen Eigenverantwortung und enger, aktiver transatlantischer Kooperation. — In den letzten Tagen berichten mehrere Medien, dass insbesondere die Verzahnung europäischer Streitkräfte und die Diskussion um den Umgang mit russischen Bedrohungen sowie den Schutz vor hybriden Angriffen weiter an Fahrt aufnehmen. Nach Informationen der 'FAZ' wird in Berlin auch ein stärkeres Engagement Frankreichs in der nuklearen Frage diskutiert. Gleichzeitig wächst laut aktueller Analysen die Sorge vor einer Destabilisierung der transatlantischen Partnerschaft insbesondere im Fall eines möglichen Wahlsiegs von Donald Trump in den USA (vgl. Quelle: FAZ, Quelle: Spiegel).