Jugendliche in NRW verlieren rasch das Vertrauen in die Demokratie

In Nordrhein-Westfalen schwindet besonders bei jungen Menschen das Vertrauen in demokratische Strukturen – eine alarmierende Entwicklung.

heute 14:03 Uhr | 1 mal gelesen

Ein kurzer Blick in den aktuellen Demokratiebericht der Landeszentrale für politische Bildung NRW offenbart echte Bruchstellen: Gerade mal 47 Prozent der 14- bis 18-Jährigen sagen, sie seien mit der real gelebten Demokratie zufrieden – das sind 30 Prozentpunkte weniger als noch vor zwei Jahren. Noch ausgeprägter wird das Bild, wenn man sich die 19- bis 29-Jährigen ansieht: Ihr Wert rutschte von 65 auf 51 Prozent ab. Sogar die 30- bis 44-Jährigen zeigten deutlich weniger Zustimmung (nur noch 43 Prozent statt 61). Die Studie, auf die sich die „Rheinische Post“ bezieht, wirft noch weitere Fragen auf: Zwar hält eine überwältigende Mehrheit Demokratie grundsätzlich für die beste Regierungsform (89 Prozent), doch das beunruhigende: 15 Prozent können sich unter bestimmten Voraussetzungen auch mit einer Diktatur arrangieren – ein Anstieg gegenüber 2023. Besorgniserregend klingt auch, dass fast jede:r Vierte eine starke Führungpersönlichkeit ohne parlamentarische Kontrolle befürwortet. Und beinahe die Hälfte der Befragten möchte lieber eine einzige große Partei als viele verschiedene. Ehrlicherweise macht einen das ein bisschen sprachlos, oder? Vielleicht haben Krisen, Unsicherheiten oder einfach das Gefühl, sowieso nichts ausrichten zu können, Spuren hinterlassen. Die Methode: Telefonische und digitale Befragung von knapp 3.000 Menschen in NRW im Frühjahr 2025.

Der Demokratiebericht 2025 der Landeszentrale für politische Bildung in NRW zeigt, dass das Vertrauen in die Demokratie besonders unter jungen Menschen stark erodiert ist – mit einem besonders dramatischen Rückgang bei den 14- bis 18-Jährigen. Trotz einer weiterhin hohen Grundüberzeugung für Demokratie steigen zugleich autoritäre Denkmuster: Mehr Menschen befürworten starke Führung und halten sogar unter gewissen Bedingungen eine Diktatur für vorstellbar. Die Autoren der Studie warnen vor einem massiven Demokratiedefizit – aktuell würden laut Auswertung nur noch rund 44 Prozent der Befragten als uneingeschränkt demokratisch eingestellt gelten (2023: 62 Prozent). Neue Berichte verschiedener Medien unterstreichen diese Entwicklung mit Verweis auf wachsende Unzufriedenheit, politische Desillusionierung und manchmal auch offene Ablehnung demokratischer Prozesse unter jungen Menschen in Deutschland. Experten machen für diesen Trend nicht nur die multiplen Krisen und eine gefühlte Ohnmacht verantwortlich, sondern auch soziale Netzwerke, die Populismus und Misstrauen schüren.

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