Maduro jr. gesteht: Eigenkritik am chavistischen Kurs

Nicolás Maduro Guerra macht sich öffentlich Gedanken über seinen inhaftierten Vater und räumt Versäumnisse des Chavismus ein.

heute 22:00 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn Nicolás Maduro Guerra von seinem Vater spricht, kommt so etwas wie Bedauern durch – auf eine Weise, die man bei offiziellen Statements selten hört. Natürlich, er sorgt sich um die Gesundheit des Seniors. „Er hat sich immer bewusst ernährt: viel Gemüse, kaum Zucker“, erläutert Maduro Guerra gegenüber dem 'Spiegel', fast als würde er die Gleichgültigkeit seines Umfelds kritisieren. Doch nun, in den Vereinigten Staaten inhaftiert, muss Maduro senior offenbar mit unausgewogener Kost und merkwürdigen Essgewohnheiten zurechtkommen – viel zu salzig, zu viel Industrienahrung, das Übliche eben. Der Umstand, dass US-Spezialeinheiten in einer regelrechten Nacht-und-Nebel-Aktion den venezolanischen Ex-Präsidenten am 3. Januar aus Caracas geholt haben, scheint bei Maduro jr. tiefe Spuren hinterlassen zu haben. 'Wir wurden überrascht', gibt er unumwunden zu. Dass die US-Militärtechnologie ihren Luftraum beherrscht, hätte man eigentlich wissen müssen. Aber es selbst zu erleben – das ist dann wieder eine ganz andere Hausnummer. Und am Ende: „Wir hätten mehr tun müssen, um meinen Vater zu schützen.“ Das Eingeständnis eines Scheiterns, ganz ungeschminkt. Es gibt eine Audionachricht, die Maduro senior in der fraglichen Nacht aufnimmt, aber nie abschickt. Darin spricht er davon, wie die Bomben fallen könnten, dass Venezuela weiterkämpfen müsse – eine Art Abschied, ein letzter Versuch, Haltung zu zeigen. Seit der Festnahme hat Delcy Rodriguez, die vertraute Stellvertreterin Maduros, das Steuer übernommen. Sie versucht insbesondere im Öl- und Bergbausektor neue Wege einzuschlagen. Maduro Guerra klingt fast wie jemand, der an eine zweite Chance für das Land glaubt: Venezuelas Zeit der endlosen Konflikte solle vorbei sein – nun gelte es, einen Kurs hin zu Wohlstand, Frieden und wenigstens etwas Versöhnung zu finden. Man spürt, dass es Versäumnisse gegeben hat, Streitpunkte, Fehler, vielleicht auch Überheblichkeit. Interessant ist, dass Maduro Guerra so klar sagt: 'Ja, wir als Chavisten haben Fehler gemacht. Der erste Schritt zugeben zu müssen, liegt bei uns.' Ein überraschend ehrlicher, beinahe menschlicher Ton.

Nicolás Maduro Guerra, bekannt als der Sohn des ehemaligen venezolanischen Präsidenten, reflektiert offen über das politische Scheitern und die persönlichen Umstände rund um die Festnahme seines Vaters durch US-Militär. Er benennt klar die Fehleinschätzungen der venezolanischen Führung und betont die Dringlichkeit eines neuen Umgangs mit Oppositionskonflikten. Seit dem Machtwechsel hat Interimspräsidentin Delcy Rodriguez erste Reformen im Rohstoffsektor auf den Weg gebracht, wobei Venezuela nun eine Phase des Dialogs und der Öffnung anstrebt. Ergänzend berichtet die internationale Presse, dass Venezuelas wirtschaftliche Situation zuletzt weiter angespannt ist, obwohl es leichte Erholungsanzeichen seit den Reformbemühungen gibt. US-Sanktionen und die tiefe politische Spaltung erschweren jedoch einen echten Wandel. Auf neuen Protestwellen im Land wird zugleich deutlich, dass viele Venezolaner sich weiterhin von der Politik nicht vertreten fühlen und skeptisch auf das Bekenntnis zu Versöhnung und Dialog reagieren.

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