Mit Mut zur Selbstannahme: Caroline Sprott über ihr Buch "Emotional frei mit Lipödem"

Bayreuth – Vor über zehn Jahren wurde Caroline Sprott mit Lipödem diagnostiziert. Seither kämpft sie nicht nur für ihre eigene Lebensqualität, sondern setzt sich als prominente Stimme kontinuierlich für mehr Bewusstsein und Akzeptanz der Krankheit ein. Ihr zweites Buch "Emotional frei mit Lipödem", verfasst gemeinsam mit der Ergotherapeutin und psychologischen Beraterin Marianne Jouanneaux, ist Mitte Februar erschienen. Im Zentrum steht weniger die medizinische Seite – vielmehr laden die beiden Autorinnen ein, die Kraft der eigenen Gedanken und Gefühle in den Mittelpunkt der Bewältigung zu stellen. Was passiert, wenn man beginnt, sich selbst liebevoll zu begegnen und sich vom Druck der gesellschaftlichen Erwartungen zu verabschieden?

heute 14:10 Uhr | 2 mal gelesen

Caroline, was war Ihre Motivation für das Buch?

CS: "Ich hatte das Bedürfnis, einen oft übersehenen Aspekt der Lipödem-Therapie hervorzuheben – nämlich die psychische Belastung. Viele von uns hadern mehr mit den verletzenden Rückmeldungen und den Bildern im Kopf als mit den sichtbaren Symptomen. Es ging mir darum, Betroffenen Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich emotional zu stabilisieren, wenn alles zu viel wird."

MJ: "Unsere Botschaft ist Empowerment. Wir wollten ein Nachschlagewerk schaffen, das Hoffnung gibt: Der Körper mag sich nicht innerhalb eines Tages verändern – aber unsere Einstellung und unser Umgang damit sehr wohl. Das betrifft übrigens nicht nur Lipödem-Betroffene, sondern jede Frau, die sich mit Selbstkritik plagt. Wahre Genesung kann erst einsetzen, wenn wir unser Selbstbild auf neue, freundlichere Beine stellen."

War das Buch auch eine Reaktion auf Ihre eigenen Erfahrungen, Caroline?

CS: "Absolut. Nach meiner Diagnose drehte sich alles nur um Therapien und medizinische Maßnahmen. Erst als ich anfing, mich mental mit meiner Situation auseinanderzusetzen, habe ich wirkliche Veränderungen erlebt – mein Selbstvertrauen ist gewachsen. Ich möchte anderen Mut machen, sich auf diesen Weg zu begeben."

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Marianne entwickelt?

CS: "Ich kannte Marianne von einem Expertinnen-Talk rund um das Thema Ödem. Mir war gleich klar, dass sie mit ihrem Blick auf seelische Gesundheit perfekt ergänzen würde. Unsere Gespräche waren ab der ersten Minute produktiv und inspirierend – es war ein echter Glücksgriff!"

Wie entstand die Kombination aus Rat, Übungen und Reflexionsbögen?

MJ: "Das kam ganz organisch! Unsere Kapitel orientieren sich an Therapie-Schwerpunkten wie Akzeptanz, Selbstmanagement oder Partnerschaft. Und nach jedem Abschnitt gibt es praktische Übungen, die Leserinnen direkt in ihren Alltag integrieren können."

Was war besonders wichtig?

CS: "Für mich ganz klar: das Thema Körperwahrnehmung und unrealistische Erwartungen. Viele denken, eine Operation ist die Lösung, dabei bleibt nachhaltiges Wohlbefinden eine Frage der inneren Haltung. Die eigene Beziehung zum Körper ist die Grundlage für jede weitere Heilung."

MJ: "Oft ist gerade die schambehaftete Sicht auf den eigenen Körper die größte Hürde. Frauen nehmen jahrzehntelang Kommentare und Ideale an, die sie hemmen und verunsichern. Den eigenen inneren Dialog umzukrempeln, ist der Anfang von echter Freiheit."

Gab es für Sie einen Wendepunkt?

CS: "Ja: Als Kind wurde mein Körper zum ersten Mal kritisch begutachtet. Jahre später musste ich lernen zu fragen – ist das überhaupt meine Meinung über mich oder habe ich diese Glaubenssätze übernommen? Diesen Prozess wollte ich mit dem Buch auch anderen ermöglichen."

MJ: "Kleine Schritte helfen. Sich Komplimente notieren, Unterstützung holen – das sind einfache Praktiken, die viel bewirken."

Ihr Wunsch für die Zukunft?

CS: "Vielfalt zeigen, echte Bilder – weniger retuschierte Realität. Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen mit Selbstsicherheit und Selbstmitgefühl begegnen."

MJ: "Wir sollten aufhören, uns nur über Äußerlichkeiten zu definieren. Jeder Mensch ist mehr als seine Hülle!"

Caroline Sprotts neues Buch "Emotional frei mit Lipödem" rückt die emotionale Seite der Erkrankung in den Fokus und bietet Betroffenen Hilfestellungen, um Scham und Selbstzweifel hinter sich zu lassen. Im Austausch mit Marianne Jouanneaux werden alte Glaubenssätze hinterfragt und neue Wege zu Selbstakzeptanz und psychischer Stabilität vorgestellt. Die Prinzipien des Buchs sind auch für alle Menschen relevant, die mit negativen Körperbildern kämpfen – nicht nur für Lipödem-Patientinnen. Aktuelle Studien betonen zudem, wie bedeutend die psychische Unterstützung im Krankheitsverlauf ist: Patienten, die Maßnahmen zur mentalen Gesundheit in ihr Behandlungskonzept einbauen, nehmen Therapien nachhaltiger an und berichten von einer gesteigerten Lebensqualität. Laut der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie empfiehlt sich ganzheitliche Aufklärung inzwischen als Standard (z.B. https://www.deutschland.de/de/topic/leben/bewusstsein-und-wege-zur-akzeptanz-bei-lipoedem Quelle: [deutschland.de]). Allgemein fordern Betroffene und Fachverbände mehr gesellschaftliche Offenheit, weniger Tabuisierung sowie spezielle psychologische Beratungsangebote, die im Alltag wirklich helfen können. Im Internet wird derzeit auch die Rolle sozialer Medien als Fluch und Segen diskutiert: Sie bieten zwar Austausch, führen aber teils zu mehr Vergleich und Unsicherheit (vgl. https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/lipoedem-betroffene-berichten-von-ihren-erfahrungen-auf-social-media-a-5adf596c-76d4-4668-bb4a-84f214ec93cb Quelle: [spiegel.de]).

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