EZB hält Leitzinsen trotz Nahost-Krise stabil – vorerst keine Wende

Die Europäische Zentralbank hat erneut eine Pause eingelegt und belässt den Leitzins weiterhin bei 2,0 Prozent – ungeachtet der angespannten Situation im Nahen Osten.

heute 14:39 Uhr | 2 mal gelesen

Die Entscheidung kam am Donnerstag nach dem Treffen des EZB-Rats in Frankfurt. Damit wurde nicht nur der Leitzins bestätigt, sondern auch die Zinssätze für Einlagen, Hauptrefinanzierung und Spitzenrefinanzierung bei 2,00 Prozent, 2,15 Prozent und 2,40 Prozent belassen. Die Botschaft der EZB ist klar: Inflationsbekämpfung bleibt oberste Priorität. Allerdings sorgt die Eskalation im Nahen Osten für neue Unsicherheiten und zusätzliche Risiken: zum einen höhere Teuerung, weil die Energiepreise steigen, zum anderen schwächelndes Wachstum durch verunsicherte Märkte. Kurzfristig könnte das ziemlich ruckeln – so, wie es zuletzt ohnehin schon kracht und scheppert auf den internationalen Rohstoffmärkten. Mittelfristig bleibt aber abzuwarten, wie gravierend der Energiepreisschock tatsächlich auf Verbraucher und Konjunktur durchschlägt. Die Notenbank sieht sich jedenfalls – zumindest aktuell – gut gewappnet und betont, dass das Inflationsziel von zwei Prozent einstweilen nicht aus den Augen gerät. Trotzdem schaut der EZB-Rat gebannt auf die kommenden Wirtschafts- und Inflationsdaten, um mögliche Korrekturen einzuschätzen. Interessanterweise haben die EZB-Ökonomen diesmal ihre Prognosen ungewöhnlich spät zusammengestellt. Für 2026 rechnen sie nun mit 2,6 Prozent Gesamtinflation; für 2027 soll die Inflation auf exakt zwei Prozent fallen, 2028 ist ein leichter Anstieg auf 2,1 Prozent prognostiziert – alles, offenbar, unter dem Eindruck steigender Energiepreise. Ähnliche Anpassungen gibt es bei der Kerninflation, also ohne Energie und Nahrungsmittel. Darüber hinaus sagen die Experten für die nächsten Jahre ein moderates Wirtschaftswachstum voraus – mit einem kleinen Dämpfer 2026, aber etwas besseren Aussichten bis 2028. Zugleich setzen die Expertinnen und Experten auf stabile Arbeitsmärkte und staatliche Ausgaben etwa für Verteidigung und Infrastruktur als Stabilisatoren, sollte die Lage erneut eskalieren.

Mehrere aktuelle Beobachtungen aus dem Wirtschaftsbereich stützen die Einschätzung der EZB: Die Unsicherheiten rund um die Energiepreise infolge geopolitischer Verwerfungen, insbesondere des Nahost-Konflikts, beeinflussen die kurzfristigen Inflationsprognosen maßgeblich. Die Zentralbank setzt weiterhin auf eine vorsichtige Geldpolitik und betont, dass jeder weitere Zinsschritt von zukünftigen Wirtschaftsdaten abhängig bleibt, wobei das Inflationsziel konsequent verfolgt wird. Zahlreiche Analysten warnen dennoch vor möglichen weiteren Preissteigerungen und mahnen, dass überstürzte Zinssenkungen angesichts der globalen Lage ebenfalls Risiken bergen könnten. Aus ergänzender Recherche: In den vergangenen Tagen berichten mehrere Medien, dass die Energiepreise im Zuge neuer geopolitischer Spannungen bereits wieder anziehen, was vielerorts auch zu spürbar höheren Lebenshaltungskosten führt. Zugleich hebt die EZB hervor, dass stabile Beschäftigung und Investitionen in Infrastruktur den Wirtschaftsraum abfedern könnten – ähnlich sehen es zahlreiche Wirtschaftsexperten. Ein Vergleich mit jüngsten Zinsschritten anderer Notenbanken, darunter die US-Notenbank Fed, zeigt, dass die Unsicherheit nicht nur europäisch, sondern global dominiert.

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