Papierindustrie fordert neuen Umgang mit Altpapier und Holz: Bioökonomie als Wegweiser Europas

Brüssel – Bei einem politischen Austausch zur zirkulären Bioökonomie in der Bayerischen Landesvertretung nimmt DIE PAPIERINDUSTRIE eine starke Position ein: Ein europäischer Binnenmarkt für Altpapier und mehr Nachdruck auf die stoffliche Holzverwertung werden als wichtige Zutaten für Klimaschutz und wirtschaftliche Resilienz angesehen. Vorstandsmitglied Maximilian Heindl betont dabei die traditionsreiche Recyclingpraxis der Branche und erneuert die Forderung nach entschiedener Förderung biobasierter Materialien.

heute 17:57 Uhr | 1 mal gelesen

Es ist fast schon ein Déjà-vu in Brüssel: Wieder einmal treffen sich Industrie und Politik, um über die Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft zu sprechen. Am 12. Mai – ausgerechnet in der altehrwürdigen Bayerischen Landesvertretung – steht Europas künftige Richtung auf dem Spiel. Die Papierbranche hat dabei einen eigenen, recht bodenständigen Blick, der nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch gewachsen ist: Einseitige Fördermodelle und immer neue Regulierungen helfen wenig, sagt zumindest Maximilian Heindl, Präsidiumsmitglied von DIE PAPIERINDUSTRIE und Chef der Progroup AG. Für ein Europa, das auf Ressourcen angewiesen ist und dabei politisch unter Druck steht, fangen Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit mit einer starken stofflichen Nutzung von Rohstoffen an – und zwar von sekundären wie Altpapier bis zu frischem, nachhaltig geerntetem Holz.
Ironischerweise war die Papierindustrie schon Kreislaufwirtschaft, bevor der Begriff in Mode kam. Jürgen Schaller, Chef der Carl Macher GmbH, erinnerte daran, wie jahrzehntelange Erfahrung im Papier-Recycling und bei der Nutzung von Nebenprodukten die Branche prägte. Es geht eben nicht 'nur' um Altpapier im Container, sondern darum, wie daraus bis zu 25 Mal wieder neues Material werden kann.
Ein Schengen für Altpapier?
Mit Nachdruck forderte DIE PAPIERINDUSTRIE auf dem Panel eine Art Schengen-Raum für Wertstoffe. Noch immer stoßen Papierfabriken auf bürokratische Hürden, wenn sie Altpapier europaweit handeln wollen – das ist in einer Welt, deren Ressourcen schwinden, nicht mehr zeitgemäß. Altpapier ist längst keine Nebensache, sondern DAS Rückgrat der Branche – mit einer Wiederverwertungsquote von stolzen 84 Prozent in Deutschland.
Kaskade statt Kamin
Vielleicht das drängendste Streitthema: Was tun mit Holz? In privaten Haushalten landet Holz oft im Kamin – das sei Verschwendung, wenn daraus noch Produkte entstehen könnten. Die Kaskadennutzung (erst Material, dann Energie) sollte Priorität haben, meint der Verband. Alles andere setzt nicht nur Klimaeffekte aufs Spiel, sondern auch Arbeitsplätze. Waldumbau fördern, aber nicht blind die Nutzung drosseln, so der Tenor.
Unterm Strich bleibt: Gerade jetzt, mit verknappten Ressourcen und wachsendem Nachhaltigkeitsdruck, sieht die Papierindustrie sich als Teil der Lösung – solange sie mitreden darf.

Der Verband DIE PAPIERINDUSTRIE hat in Brüssel erneut auf die Bedeutung eines funktionierenden Rohstoffkreislaufs hingewiesen. Recycling und Kaskadennutzung seien entscheidend, um Europas Abhängigkeit von importierten Rohstoffen zu verringern und gleichzeitig den Klimaschutz zu stärken. Aktuelle Berichte aus den letzten zwei Tagen zeigen: Die Europäische Kommission prüft neue Regelungen zur Förderung von Recycling und biobasierten Produkten, während Umweltverbände die stärkere Rolle von Holz im Energiesektor kritisch sehen. Im deutschen Bundestag wurde diskutiert, wie sich die Abfallregulierung besser auf die Kreislaufwirtschaft ausrichten lässt, etwa durch einheitliche Standards – wobei die Wirtschaft auf praktikable Lösungen drängt. Zudem mehren sich Initiativen, Wertstoffströme wie Altpapier grenzüberschreitend freier zu machen, um Export- und Transporthemmnisse zu beseitigen und Stoffkreisläufe zu schließen.

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