Die Kehrseite des Feierabends am Grill
Rund um die Feiertage und lange Sommerabende merkt man es: In Deutschland wird Grillen zelebriert, oft in großen Runden. Doch ein Blick hinter die Kulissen trübt den Appetit. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes überstieg der Holzkohleimport 2023 die 100.000-Tonnen-Marke deutlich. Besonders fragwürdig: Die Kohle gelangt meist aus Ländern wie Paraguay, Nigeria oder Brasilien zu uns, wo Tropenwälder für den Export gerodet werden. Und was kaum wer weiß: Die überwiegende Mehrheit der hierzulande verfügbaren Grillkohle stammt aus Holz, dessen Herkunft alles andere als sauber ist. Bereits die WWF-Studie von 2018 war ein kleiner Aufschrei – 61 Prozent der Grillkohlen kommen aus bedenklichen, teils illegalen Quellen; der Anteil an Tropenholz liegt bei 42 Prozent. Meist taucht dazu auf der Verpackung kein Wort auf. Und Stiftung Warentest? Bestätigt das immer wieder durch eigene Untersuchungen. (WWF-Bericht Grillkohle 2020)
Ein gutes Gewissen lässt sich kaufen – wirklich?
Die Lösung scheint so simpel und zugleich weit weg: Wer Kohle mit dem FSC-Siegel auswählt, erkennt sie am markanten Baumlogo. Hier lässt sich sicherstellen, dass die Holzkohle nicht auf Raubbau basiert, sondern aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern kommt – inklusive Einhalten sozialer Mindeststandards und Schutz der Artenvielfalt. FSC-zertifizierte Kohle ist inzwischen bei vielen Händlern Standard: Supermärkte wie Edeka und die bekannten Baumärkte haben sie oft im Sortiment. Eine kleine Entscheidung am Regal, deren Wirkung viele nicht kennen: Sie fördert einen Wandel hin zu faireren Lieferketten.
Ein Beispiel als kurzer Einschub: BAUHAUS wirbt explizit damit, auf FSC-Produkte zu setzen – nicht bloß aus Marketing, sondern aus unternehmerischer Verantwortung heraus. Eine bemerkenswerte Entwicklung, wenn Unternehmen bei Grillkohle und Terrassenmöbeln gleichermaßen an den Wald der Zukunft denken.
Kauf von Tropenholz – ein Paradoxon?
Interessanterweise gilt beim Holzeinkauf eine oft missverstandene Logik: Wer zertifizierte Tropenhölzer erwirbt – Stichwort Teak oder Akazie für Outdoormöbel –, trägt dazu bei, dass Tropenwälder wirtschaftlich Wert behalten. Denn sie werden dann nicht einfach planiert, sondern nachhaltig genutzt und bleiben damit erhalten – im Gegensatz zur Umwandlung in Monokulturen für Palmöl & Co. Wählt man stattdessen zweifelhafte Billigware, droht dem Wald oft endgültige Zerstörung. FSC-zertifiziertes Tropenholz schafft so einen echten, wenn auch kleinen Anreiz für Erhalt und nachhaltige Nutzung.
Dauerbrenner statt Wegwerfware
Langlebigkeit ist ein weiteres Argument: Teak- oder Akaziemöbel, korrekt gepflegt und aus nachhaltigem Anbau, sind oft unverwüstlich. Einmal angeschafft, begleiten sie durch viele Sommer. Ein kleiner Tipp: Regelmäßige Pflege – und das Holz sieht auch nach Jahren noch gut aus.
FSC auf einen Blick: Wo kaufen und informieren?
Ob Grillkohle oder Gartenmöbel: FSC-zertifizierte Produkte sind heute im Einzelhandel und in Baumärkten leicht zu finden. Wertvolle Infos und eine Händlersuche bietet die FSC-Webseite.
Ein kurzer Anruf bei FSC Deutschland oder ein schneller Blick ins Netz reichen oft, um im Laden auch wirklich das Richtige zu erwischen.
Ansprechpartner: Lars Hoffmann, Tel.: 0761-3865368, E-Mail: lars.hoffmann@fsc-deutschland.de
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FSC in Zahlen – und Menschen dahinter
Was vielleicht nüchtern klingt, ist in Wahrheit eine globale Bewegung: Über 172 Millionen Hektar Wald sind weltweit FSC-zertifiziert, mehr als 68.000 Unternehmen setzen auf diese Standards. In Deutschland umfasst das Netzwerk 1,1 Millionen Hektar Wald und 4.200 zertifizierte Betriebe. Im Fokus steht dabei immer ein Gleichgewicht der Interessen: Waldbesitzende, Umweltverbände wie WWF, BUND oder NABU, soziale Gruppen und Unternehmen reden mit. Und ganz praktisch schützt FSC unsere Wälder, fördert die Erhaltung von Artenvielfalt, schränkt Pestizideinsatz ein und verspricht faire Bezahlung der Waldarbeiter. Natürlich ist kein System perfekt. Doch FSC schafft Transparenz und eine Einladung an alle, beim nächsten Einkauf ein bisschen besser hinzuschauen.
Die Problematik um Grillkohle und Tropenholz ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Oft stammen diese Produkte aus Regionen, wo Waldvernichtung direkt Biodiversitätsverlust und soziale Verwerfungen nach sich zieht. Das FSC-Siegel bietet Orientierung, schützt durch Nachweis nachhaltiger Herkunft und hohe soziale sowie ökologische Standards Tropenwälder und deren Bewohner. Studien belegen, dass Siegel wie FSC tatsächlich einen Unterschied im Umgang mit Ressourcen machen: So führte beispielsweise ein Skandal in Brasilien dazu, dass deutsche Händler ihre Importpraktiken stärker hinterfragten und mehr FSC-zertifizierte Kohle sowie Möbel anbieten (siehe aktuelle Berichterstattung bei taz, Zeit und Spiegel). Dennoch bleibt der Markt in Bewegung: Der Druck auf Zertifikate wächst, Greenwashing ist ein Problem. Mehrere Medien berichten, dass Verbraucher wachsam bleiben und zusätzlich Herkunftsinformationen abfragen sollten. Die jüngsten Entwicklungen in der EU, beispielsweise neue Transparenzregeln für Lieferketten, könnten dafür sorgen, dass Transparenz und Kontrolle noch weiter zunehmen, wie Fachartikel aus den letzten Tagen belegen.