Fertio übernimmt Berliner Samenbank: Neue Synergien für den Kinderwunsch in Deutschland

Lokale Wurzeln treffen globale Impulse: Berliner Samenbank und Fertio bündeln ihre Kräfte – mehr Auswahl, neue Perspektiven.

heute 14:10 Uhr | 4 mal gelesen

Es gibt Neuigkeiten in der Berliner Reproduktionslandschaft: Die Fertio Group, internationale Betreiberin der European Sperm Bank, hat sich die Berliner Samenbank geschnappt. Über zwei Jahrzehnte Erfahrung und ein tiefes Verständnis für die Wünsche der deutschen Kundschaft – das soll jetzt mit frischem Wind aus dem hohen Norden kombiniert werden. Dahinter steht der Gedanke, nicht nur einen noch größeren Pool an Spendern zu bieten, sondern tatsächlich neue Maßstäbe zu setzen, was Qualität, Transparenz und Service angeht. Interessant finde ich: Auf den ersten Blick klingt das nach einem klassischen Zusammenschluss, aber in Zeiten, in denen Familiengründung für immer vielfältigere Lebensmodelle offensteht, steckt dahinter mehr. Was mir auffällt, ist, wie sehr beide Organisationen betonen, man wolle alle Beteiligten – egal mit welchem Hintergrund oder welchen Erwartungen – auf Augenhöhe begleiten. Nicht nur die bisherigen Werte wie Respekt, Sorgfalt und Vielfalt sollen weitergeführt werden. Die Firmenchefs klingen fast schon umarmend: Man sei stolz auf das 25-jährige Engagement der Berliner Samenbank, will aber trotzdem die Zukunft nicht aus dem Blick verlieren. Spannend ist auch die neue Doppelstruktur für Patienten: Einerseits kann man – offenbar problemlos – auf das internationale Spenderarchiv der European Sperm Bank zurückgreifen; andererseits bleibt das Berliner Team die lokale Anlaufstelle mit unverändertem Namen und Know-how. Ann-Kathrin Klym übernimmt als neue Geschäftsführerin das Ruder und will wohl auch personell aufstocken, denn die Nachfrage steigt. Alles zusammen kommt in einer Zeit, in der strengere europäische Regeln für Gewebe- und Zelltransfers (Stichwort EU-SoHO) absehbar sind. Fertio und die Berliner Samenbank wollen sich diesen Herausforderungen gemeinsam stellen – ein bisschen schwingt da sogar so etwas wie Pioniergeist mit. Fertio gibt es übrigens seit gut zwanzig Jahren, die European Sperm Bank (mit Sitz in Dänemark) hat weltweit schon zigtausend Kindern zur Geburt verholfen. Die Berliner Samenbank, vor 25 Jahren von Dr. David Peet gegründet, genießt unter Fachleuten einen sehr guten Ruf. Peet zieht sich jetzt nach dem Verkauf zurück – die nächste Generation übernimmt. Und die Öffentlichkeit? Die wird sich fragen, ob das Versprechen, neue Standards und bessere Angebote zu schaffen, auch wirklich eingelöst wird. Ich für meinen Teil bin zumindest neugierig.

Fertio übernimmt die Berliner Samenbank und möchte damit die Angebote rund um die Samenspende für Familien in Deutschland deutlich ausweiten. Besonders im Fokus stehen neben Diversität und Wahlfreiheit künftig noch strengere Qualitäts- und Transparenzstandards. Die Übernahme findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Reproduktionsmedizin in Deutschland unter hohem Reformdruck steht – die EU plant eine einheitliche, striktere Regelung für die Handhabung von Spenden (EU-SoHO-Verordnung), die Transparenz, Sicherheit und Nachverfolgbarkeit europaweit auf ein neues Level heben soll. Parallel dazu wächst die gesellschaftliche Akzeptanz für vielfältige Familienmodelle; jüngst haben immer mehr Solo-Mütter, gleichgeschlechtliche Paare und andere Familienformen einen Kinderwunsch über Samenspende in Anspruch genommen. Neueste Artikel im Netz unterstreichen, dass insbesondere der Umgang mit den Rechten von Spenderkindern sowie die Anerkennung nicht-traditioneller Familien in Deutschland aktuell wichtige Themen der Debatte sind.

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