Die 98. Academy Awards in Los Angeles entwickelten sich dieses Jahr zu einer Bühne für Überraschungen und emotionale Dankesreden. Der rabenschwarze Action-Thriller „One Battle After Another“ von Paul Thomas Anderson holte sich nicht nur den prestigeträchtigen Preis für den besten Film, sondern landete gleich noch Treffer in den Kategorien Regie und adaptiertes Drehbuch – und das erstmals in der brandneuen Kategorie Casting, die von Cassandra Kulukundis mit sichtbarer Begeisterung entgegengenommen wurde. Insgesamt fuhr der Film sechs Oscars bei insgesamt 13 Nominierungen ein; Anderson selbst durfte sich gleich dreifach freuen. „Sinners“ folgte mit vier Trophäen – ein enges Rennen.
In der Königsklasse des besten Hauptdarstellers überzeugte Michael B. Jordan, der in „Sinners“ eine Doppelrolle meisterte. Das Feld war im Vorhinein offen, Favoriten wechselten beinahe wöchentlich – Chalamet galt lange als Anwärter. Bei den Hauptdarstellerinnen letztlich keine große Überraschung: Jessie Buckley triumphiert – wie erwartet – für „Hamnet“, obwohl die Konkurrenz durchaus spannend war. Amy Madigan („Weapons“) und Sean Penn („One Battle After Another“) überzeugten in den Nebenrollen. Ihre Siege? Ehrlich gesagt, kaum eine Überraschung – beinahe im Vorbeigehen eingesammelt.
Erwähnenswert vielleicht, dass der Oscar für den besten Animationsfilm an „KPop Demon Hunters“ ging; den begehrten International Feature Award schnappte sich Norwegens „Sentimental Value“. Für die musikalische Untermalung wurde Ludwig Göransson („Sinners“) gefeiert, Max Richter („Hamnet“) ging diesmal leer aus. Politisch blieb es insgesamt zahm. Moderator O‘Brien setzte zwar gleich zu Beginn Ton und Richtung – internationale Solidarität und Optimismus –, aber die meisten Preisträger konzentrierten sich dann doch auf klassische Danksagungen. Mit ein paar Ausreißern: Kimmel ließ sich Spitzen gegen Trump nicht nehmen und Pawel Talankin aus Russland nutzte die Bühne, um zum Frieden aufzurufen. Sogar Javier Bardem rief kurz und knapp „No to war“ und „Free Palestine“ in die Menge.
Spannend bleibt zuletzt, wie sich die Fernsehquoten dieses Jahr entwickeln. Die Blockbuster „F1“ (über 600 Millionen Dollar Einspiel) und „Sinners“ (370 Millionen) sind unter den Nominierten die großen Kassenschlager und könnten für einen Push sorgen – aber Hollywood hat schon öfter ganz anders überrascht. Mal sehen, ob die Zuschauerzahlen das Oscar-Fieber teilen.
„One Battle After Another“ bestimmt mit sechs Trophäen das Bild der diesjährigen Oscars, darunter als erster Sieger in der neuen Casting-Kategorie. In den Schauspielkategorien gab es mit Michael B. Jordan („Sinners“) und Jessie Buckley („Hamnet“) zumeist Favoritensiege, während in politischen Dankesreden Zurückhaltung herrschte; lediglich einige wenige nutzten ihre Plattform für Friedensbotschaften oder politische Appelle. Der Abend wurde zwar von Optimismus und internationalen Appellen eingerahmt, blieb jedoch überwiegend festlich – eine Ausnahme bildeten Diskussionen über die Wettbewerbsfähigkeit von Blockbustern in Bezug auf die Einschaltquoten.
Erweitert: Aktuellen Berichten zufolge stehen die Oscars in diesem Jahr weiterhin stark im Fokus gesellschaftlicher Debatten, insbesondere hinsichtlich Diversität und Relevanz politischer Botschaften. Die Einführung der Casting-Kategorie wurde von Branchenprofis als notwendiger Schritt für mehr Sichtbarkeit gelobt. In der Medienlandschaft kursieren aktuell Diskussionen über die Auswirkungen großer Kassenhits auf die Popularität der Verleihung, und erste Analysen deuten darauf hin, dass die Einschaltquoten leicht gestiegen sein könnten, vermutlich wegen der Beteiligung finanziell erfolgreicher Filme und der gestiegenen Streaming-Präsenz. In mehreren Feuilletons werden zudem die vorsichtigen politischen Äußerungen thematisiert sowie die Frage, wie viel Raum Gesellschaftskritik bei Großereignissen wie den Oscars überhaupt bekommen sollte.