Russischer Öltanker erreicht Kuba – USA lockern Blockade überraschend

Ausgerechnet die Regierung von Donald Trump ermöglicht einem russischen Tankschiff, nach Kuba einzulaufen – eine kleine, aber aufsehenerregende Kehrtwende inmitten der Energiekrise auf der Insel.

heute 06:59 Uhr | 6 mal gelesen

Ein russischer Tanker mit dem klangvollen Namen 'Anatoly Kolodkin' ankert derzeit vor Kubas Küste – und die Nachrichten verdichten sich, dass er in wenigen Tagen im Hafen von Matanzas festmachen wird. Noch vor Kurzem hatte Washington hart gegen die sozialistische Karibikinsel durchgegriffen: Der Ölfluss aus Venezuela wurde durch US-Druck gekappt, andere mögliche Versorgungsländer saßen mehr oder minder auf dem Trockenen, weil Strafzölle drohten. Das hat nicht nur das öffentliche Leben in Havanna ausgebremst – Stromausfälle, Müllberge und überforderte Krankenhäuser wurden in den letzten Wochen fast schon zum Alltag. Obwohl Trump sonst meist auf Konfrontationskurs zu Kuba geht, gab er sich während eines Gesprächs an Bord der Air Force One überraschend gleichgültig: 'Wenn andere Länder den Kubanern helfen wollen und sie zum Überleben Öl brauchen, sollen sie es tun.' Ob das eine politische Strategie ist oder einfach nur ein Moment der Pragmatik – schwer zu sagen. Fakt ist: Nach der Verhaftung von Venezuelas Präsident Nicolás Maduro durch die USA im Januar war der wichtigste Lieferant für Kuba von heute auf morgen weggebrochen. Zeitgleich pressten US-Sonderzölle jedes weitere Versuchslüftchen einer Ölversorgung ab, ob aus Mexiko oder anderswo. Nun setzt Trump ein kleines Ausrufezeichen – oder war es nur ein Achselzucken? Zuverlässig sind seine Aussagen selten. Jedenfalls kann Havanna erst einmal aufatmen.

Die Versorgung Kubas mit Erdöl steht seit Monaten am Rande des Kollapses, nachdem die USA gezielt Lieferungen aus Venezuela unterbunden und mit wirtschaftlichen Drohungen auch andere Lieferstaaten abgeschreckt haben. Mit der überraschenden Erlaubnis, dass der russische Tanker 'Anatoly Kolodkin' anlegen darf, weicht Trump erstmals von seinem harten Kurs ab, offiziell aus humanitären Gründen. Internationale Medien vermuten aber, dass dies weniger eine Kehrtwende der US-Politik als vielmehr ein entlastender Schachzug angesichts der desaströsen Lebensbedingungen auf Kuba ist. Im Netz kursieren Berichte, dass in Havanna die ersten Erleichterungen spürbar sind, während andererseits unklar bleibt, ob diese Geste tatsächlich auf längere Sicht eine Änderung signalisiert oder nur ein kurzfristiger Schachzug ist. Das politische Ringen um Einfluss, Öl und Menschenrechte in der Karibik bleibt jedenfalls ein Spiel auf dünnem Eis. Zusätzliche Details aus der aktuellen Berichterstattung: Laut FAZ verschärften die USA unter Biden weiterhin die Sanktionen gegen Kuba, während sich die Lage für die Bevölkerung zuspitzt. Die Süddeutsche berichtet von erneuten Protesten gegen Stromausfälle und Versorgungsengpässe auf der Insel, die teils mit polizeilicher Härte beantwortet wurden. Wie taz und Spiegel analysieren, sieht Moskau im Einsatz seiner Tanker nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine geopolitische Antwort auf die westlichen Sanktionen; das russisch-kubanische Energiepaket gilt neben wirtschaftlichen auch als symbolischer Affront gegen Washingtons Druckmittel.

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