SPD sieht im US-Truppenabzug ein sicherheitspolitisches Vakuum

Die SPD äußert sich alarmiert angesichts der geplanten Verlegung von US-Soldaten aus Deutschland – und warnt vor Folgen für Sicherheit und Stabilität.

heute 13:54 Uhr | 2 mal gelesen

Es ist schon eine besondere Konstellation: Die US-Armee war und ist für Deutschland nicht nur ein Symbol transatlantischer Partnerschaft, sondern seit Jahrzehnten ein strategischer Pfeiler der eigenen Sicherheit. Siemtje Möller, Verteidigungsexpertin der SPD, brachte es unlängst auf den Punkt – mehr oder weniger, denn so ganz klar, was hinter dem Schritt steckt, sei für sie nicht zu erkennen. Man könnte sagen: Die Entscheidung wirkt fahrig, gar zufällig, als wisse niemand so recht, warum oder wohin. Die Bindungen zwischen den USA und Deutschland sind – trotz aller politischen Nickeligkeiten – eng genug, dass ein Truppenabzug beide Seiten treffen würde. Möller meint sogar, die USA brächten sich mit einem solchen Schritt selbst um handfeste Vorteile. Ironischerweise profitieren doch auch die Amerikaner massiv von den Standorten!

Mit besorgtem Blick schaut da auch die CDU auf die Entwicklung. 5.000 Soldaten weniger könnten aus Sicht von Außenpolitiker Jürgen Hardt das fragile Gleichgewicht der Abschreckung ins Wanken bringen. Es sei eine Art Misstrauensvotum gegenüber Jahrzehnten stabiler Politik – zumal amerikanische Steuerzahler nicht unerheblich für diese Sicherheitsarchitektur zahlen. Und gerade Orte wie Ramstein oder Landstuhl sind mehr als nur „Standorte“ auf einer militärischen Landkarte; sie sind Dreh- und Angelpunkte für Logistik, medizinische Versorgung und, ja, Vertrauen. Hardt hofft, dass alles noch revidierbar sei und nicht als unumkehrbare Neuausrichtung verstanden werde. Für ihn steht fest: Jetzt sollte man die Nerven behalten und Verlässlichkeit signalisieren, statt weiteren Rissen im Bündnis Vorschub zu leisten.

Die Linke hingegen sieht mehr Theater als Substanz. Sören Pellmann von den Linken meint, seit Jahren sei bekannt, dass aus deutschen Kasernen nicht immer Frieden gestiftet wird. Für ihn ist jeder abgezogene US-Soldat ein Schritt in Richtung Verfassungsfrieden. Pellmann nimmt die Regierung in die Pflicht: Sie müsse schleunigst Pläne entwickeln, wie die vom Abzug Betroffenen – immerhin Tausende von zivilen Ortskräften – nicht ins soziale Abseits rutschen. Denn Überraschungen wie diese können Regionen wirtschaftlich ziemlich auf links drehen.

Carlo Masala, Experte für Militärpolitik, lenkt den Fokus auf einen vielleicht weniger beachteten Aspekt: Mit dem Verzicht auf neue Waffensysteme (Tomahawk-Marschflugkörper und Hyperschallraketen), die eigentlich in Mainz-Kastel stationiert werden sollten, entstehe eine Lücke in der Verteidigungsfähigkeit. Und damit, so Masala, sei Russland vermutlich nicht übermäßig betrübt.

Die Diskussionen um den Abzug von US-Truppen aus Deutschland schlagen in der deutschen Politik Wellen: Während SPD und CDU Sicherheitsrisiken und strategische Einbußen befürchten, begrüßt Die Linke den Schritt als Annäherung ans Grundgesetz. Deutlich wird, dass die Bündnisfähigkeit der NATO und die militärstrategische Balance zwischen Ost und West empfindlich gestört werden könnten. Zusätzlich zur politischen Debatte geraten auch wirtschaftliche Aspekte in den Fokus, denn zahlreiche deutsche Arbeitnehmer sind von den US-Stützpunkten direkt abhängig. Neue Hintergrundberichte zeigen, dass der Schritt teils als innenpolitisches Wahlkampfmanöver in den USA interpretiert wird, während deutsche Sicherheitsexperten davor warnen, dass die Lücken, die durch fehlende US-Präsenz bei der Abschreckung russischer Aggression entstehen, kurzfristig kaum geschlossen werden können. Militärisch-soziale Analysen weisen zudem darauf hin, dass der Abzug als Chance zur stärkeren Eigenständigkeit Europas gewertet werden könnte – jedoch nicht ohne Risiken für die Stabilität im Bündnisgefüge.

Schlagwort aus diesem Artikel