Angeblich denkt die EU-Kommission ernsthaft darüber nach, dem Industriesektor sowie der Energiewirtschaft beim CO2-Emissionshandel (EU-ETS-1) etwas mehr 'Luft zum Atmen' zu geben – zumindest vorübergehend. Zumindest berichtet das das Handelsblatt unter Berufung auf Insider aus Brüssel. Das EU-weite Emissionshandelssystem gilt als Eckpfeiler der europäischen Klimapolitik: Nur so viele CO2-Zertifikate im Umlauf, wie noch ausgestoßen werden darf – eigentlich eine recht einfache Rechnung.
Doch nun erwägt die Kommission offenbar, die jährlich freigegebene Menge an Zertifikaten weniger stark zu senken als zunächst geplant. Sollte das kommen, wäre es für Unternehmen deutlich leichter, weiter CO2 zu produzieren – zumindest einige Jahre länger. Interessant dabei: Gratis-Zertifikate sollten 2034 eigentlich für manche Branchen Geschichte sein, jetzt steht auch das wieder zur Debatte.
Was das konkret bedeutet? Die Einnahmen aus dem Zertifikatehandel, zum Beispiel in Deutschland, fließen in den Klima- und Transformationsfonds des Bundes. Daraus werden viele große Projekte mitfinanziert: etwa der Ausbau grüner Energie, E-Mobility oder modernere Häuser. Bringen die EU-Lockerungen weniger Geld ein, fehlt das dann spürbar an anderer Stelle. Irgendwie ein typisches Dilemma: Auf der einen Seite der Wunsch, Wirtschaft und Industrie zu entlasten, auf der anderen das selbstgesteckte Klimaziel.
Die aktuellen Überlegungen der EU-Kommission zur Abschwächung des Emissionshandels (ETS) stoßen auf gemischte Reaktionen: Umweltverbände sehen die Klimaziele gefährdet, einige Industrievertreter begrüßen die mögliche Entlastung jedoch angesichts der aktuellen Wirtschaftsflaute. Medienberichten zufolge könnte die geplante Absenkung der CO2-Zertifikate sowohl kurzfristig zu niedrigen Emissionspreisen als auch zu geringeren Einnahmen für Klimafonds führen – was direkte Auswirkungen auf Investitionen in grüne Technologien haben dürfte. Laut Branchenvertretern drohe zudem eine Verlagerung von Produktion und Emissionen ins Ausland, wenn Unternehmen zu stark belastet werden; Umweltorganisationen halten die vorgeschlagene Verzögerung jedoch für einen schweren Rückschritt im Klimaschutz, insbesondere vor den wichtigen UN-Klimaverhandlungen und angesichts der selbstgegebenen Reduktionsziele für 2030 und 2040.