Kaum hatte die Hall of Innovation ihre Türen geöffnet, lag in der Luft dieses Knistern, das man vermutlich nur dort spürt, wo Menschen tatsächlich an Zukunft schmieden. Ein Nachmittag, der Offenheit atmete und von Tatendrang angetrieben wurde. Am Diskussionspodium brachten Leute wie Mateo Primorac (Scopri, KI-Start-up), Christina Liess (LOCI Design) und Natascha Fürst (Female Founders) nicht nur wohlformuliertere Statements, sondern auch ein paar Zweifel, Wegmarken und Streitereien zur Sprache: Braucht Wachstum wirklich immer frisches Geld von außen oder geht’s auch schlanker? Wie viel Mitbestimmung sollten Investor*innen tatsächlich haben?
"Sich hinter Kund*innen klemmen und das Problem wirklich knacken — Kapital kommt dann schon von selbst hinterher", sagt Primorac, fast schon augenzwinkernd, wobei er die Tücken des frühen Investorenkontakts nicht kaschiert: Gründer*innen müssten Klartext zu Problem und Lösung sprechen — alles andere sei beinahe Nebenschauplatz.
Liess hingegen würde sich im Rückspiegel wünschen, sie hätte Förderstellen früh als Investoren betrachtet: Stets mitschwingend die Verantwortung gegenüber Geldgeber*innen — von echter Freiheit zu reden, wäre da vielleicht ein bisschen zu viel Pathos.
Europa, meint Fürst, sei in Sachen Start-Ökosystem durchaus auf Zack, nur hakt’s beim Sprung in andere Sphären: Reichweite, große Tickets, echte Netzwerke. Sie plädiert für größere, mutigere Fonds und für öffentliches Geld, das privates Kapital hebelt — Hauptsache, weniger Papierkrieg, mehr Tempo.
Abseits der Talkrunde wurde es nicht leiser. Peiman Zamani gab in seiner Keynote einen fast schon entzaubernden Blick auf das, was unter Innovations-Buzz gerne einmal als Magie firmiert, aber ohne finanzielle Substanz rasch verpufft. Lucas Schöffers Input zeigte, dass selbst im Gaming immense Ökonomien schlummern. In der Ausstellung fanden sich überraschende Blicke auf das Thema finanzielle Bildung — denn auch das muss irgendwo anfangen. Die Präsentation der Nominierten für den Female Entrepreneurship Award brachte wenigstens einen kleinen Hauch von Licht auf die weibliche Seite des Gründertrubels.
Für Ulrike Wieländer, die Macherin hinter der Veranstaltung, war der größte Gewinn: Zeit und Raum für Vernetzung. Man merkt: Hier ist Innovation kein leeres Wort, sondern findet einen Ort. SMARTUP St. Pölten, getragen von Mut, Neugier und gelegentlich einem Hauch Übermut, ist beides — Infrastruktur und Geistesblitz zugleich.
Die Hall of Innovation 2026 an der Fachhochschule St. Pölten stand unter der Devise, Innovation, Unternehmertum und Kapital in praxisnahen Dialog zu bringen. Zentral war die Erkenntnis: Der Weg zum Erfolg liegt zuallererst im Lösen echter Probleme, nicht beim Jagen nach Investoren. Gleichzeitig betonten Speaker wie Mateo Primorac und Natascha Fürst die Bedeutung von Netzwerken, transparentem Mindset und ausreichend großen Fonds, damit Europa nicht nur für Gründungen, sondern auch für Skalierung attraktiv bleibt. Nach aktueller Berichterstattung forscht die europäische Start-up-Szene verstärkt an Wegen, Bürokratie zu reduzieren und gleichzeitig mehr Gender-Diversity zu schaffen – zahlreiche Initiativen, wie der Female Entrepreneurship Award, flankieren diese Entwicklung.