Wenn man ehrlich ist – die Chemieindustrie in Deutschland hat momentan keinen leichten Stand. Laut dem aktuellen ifo-Index hat sich die Grundstimmung im Januar ein wenig verbessert: Der Wert kletterte von -24,6 auf -23,5 Punkte. Kleine Schritte, könnte man sagen. Allerdings ist die Einschätzung der aktuellen Lage deutlich düsterer geworden und rutschte von -29,7 auf -34,9 ab. Gleichzeitig keimen aber vorsichtige Hoffnungen auf: Die Erwartungen für die nächsten Monate wurden weniger pessimistisch – von -19,3 auf immerhin -11,4 Punkte.
'Nicht alles ist schlecht, aber auch noch lange nicht gut', wie es eine ifo-Expertin, Anna Wolf, formulierte. Immerhin verzeichnete die Branche zum ersten Mal seit etlichen Monaten einen kleinen Anstieg bei den Auftragseingängen, der Indikator schoss von -23,7 auf +3,4 Punkte. Das reicht jedoch noch nicht für eine Entwarnung: Im langfristigen Vergleich bleibt der Auftragsbestand mit -47,1 Punkten sehr schwach und reicht aktuell für etwa 1,8 Monate Produktion (im Oktober waren es nur 1,4). Die Kapazitäten sind jedoch weit von der Norm entfernt – die Auslastung dümpelt bei 72,7 Prozent statt der gewohnten gut 80. Die Folge: Viele Unternehmen planen, die Produktion weiter herunterzufahren und Personal abzubauen.
Noch drückt der Schuh an mehreren Ecken – etwa Preisdruck und die Unsicherheit durch mögliche Handelsbarrieren. Trotz kleiner Erholungsschimmer bleibt das Bild durchwachsen.
Zusammengefasst: Die Chemiebranche tastet sich langsam aus dem Tief – Erwartungen bessern sich, aber die tatsächliche Lage, vor allem bei Produktion und Kapazitätsauslastung, bleibt schwierig. Der leichte Anstieg bei Auftragseingängen ist ein Hoffnungsschimmer; trotzdem dämpfen niedrige Auftragsbestände und die angespannte Wettbewerbslage die Euphorie. Erschwerend hinzu kommen explodierende Energiepreise und globale Unsicherheiten, wie Berichte aus der 'FAZ' und der 'Süddeutschen' ergänzen: Viele Unternehmen setzen nun verstärkt auf Innovation und Effizienzsteigerung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Während in Brüssel weiter über mögliche Entlastungspakete für stromintensive Industrien debattiert wird (www.faz.net), sehen Analysten den nächsten Monaten mit Skepsis entgegen. Wegen gestiegener Lohnkosten, geopolitischer Unsicherheiten und schleppender Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten rechnet der Verband der Chemischen Industrie (VCI) für das Jahr 2024 weiterhin mit einem sehr moderaten Wachstum. Experten wie bei 'taz' betonen, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen besonders unter der unsicheren politischen Lage und den hohen Rohstoffpreisen leiden (www.taz.de). Dennoch bleibt ein vorsichtiger Optimismus: Sollten Energiepreise sinken und Handelskonflikte sich entspannen, könnte die Chemieindustrie wieder Fahrt aufnehmen.