SPD weist Söders Vorstoß zur Mehrarbeit scharf zurück

Die SPD hält Markus Söders Vorschlag, die Wochenarbeitszeit generell zu erhöhen, für den falschen Ansatz – und wirft ihm eine unausgewogene Debatte zu Lasten der Beschäftigten vor.

heute 09:08 Uhr | 2 mal gelesen

Annika Klose, die sich bei der SPD mit Arbeitspolitik beschäftigt, konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: Es sei doch ziemlich fragwürdig, den Leuten hierzulande ständig Faulheit zu attestieren. Der Großteil der Deutschen rackere ohnehin schon mehr als genug – und zusätzliche Stunden würden meist nicht an mangelndem Willen scheitern. Klose hat den Eindruck, Söder wolle auf Biegen und Brechen daran drehen, wieviel gearbeitet wird – ganz am Thema vorbei, meint sie. Für solche Fragen seien eher Gewerkschaften und Arbeitgeber zuständig, nicht die Politik. Im Übrigen, so Klose, wollen viele gar nicht weniger, sondern im Gegenteil mehr arbeiten, können es nur oft schlicht nicht – wegen zu knapper Betreuungsangebote oder horrender Kita-Gebühren, gerade im Freistaat. Ein kaum bezahlbarer Spagat, der viele zur Teilzeit zwingt. Ihr Fazit: Die Angriffe gegen Arbeitnehmer seien respektlos, und Söder bewege sich mit seiner Forderung ziemlich neben der Spur. Ein Trick, um von anderen Problemen in Bayern abzulenken? Möglich, kurz vor den Kommunalwahlen erscheint das naheliegend.

Markus Söders Plädoyer für eine Stunde mehr Arbeit pro Woche stößt bei der SPD auf scharfe Kritik; Annika Klose wirft ihm vor, mit unfairen Behauptungen unnötig Druck auf Arbeitnehmer auszuüben. Sie betont, dass viele Beschäftigte durchaus zu Mehrarbeit bereit wären, aber praktische Hindernisse wie unerschwingliche Kinderbetreuung dies verhindern – besonders gravierend sei das in Bayern. Arbeitszeitfragen müssen laut Klose von Gewerkschaften und Arbeitgebern entschieden werden, während Söder offenbar von anderen Problemen im eigenen Land ablenken wolle. In aktuellen Medienkommentaren wird der Streit als Symbol einer tiefer gehenden Debatte über Arbeitskultur und Familienpolitik in Deutschland gedeutet, wobei wirtschaftliche Erfordernisse ebenso eine Rolle spielen wie gesellschaftliche Erwartungen. Laut einer Zusammenfassung von DW betont die Debatte die Lohnentwicklung und den Fachkräftemangel, während auf taz auf die Sorgen junger Familien und notwendige Betreuungsreformen hingewiesen wird; die Süddeutsche Zeitung sieht zudem die Tarifautonomie in Gefahr, sollten Politiker zu sehr durchregieren.

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