Mehrarbeit-Debatte: Weber widerspricht Söders Plänen mit deutlichen Worten

Der renommierte Arbeitsmarktforscher Enzo Weber hat die Forderung von Markus Söder, wöchentlich eine Stunde mehr zu arbeiten, kritisch unter die Lupe genommen.

heute 10:50 Uhr | 3 mal gelesen

Es ist ein bisschen wie der Versuch, mit einem Vorschlaghammer einen präzisen Uhrwerkmechanismus zu justieren: Markus Söder fordert, alle sollen einfach eine Stunde mehr in der Woche arbeiten – und schon rollt das Wirtschaftswunder. Enzo Weber, den vermutlich viele als Analytiker mit Blick fürs Ganze schätzen, hält davon wenig. "Politik soll nicht verordnen, wie viel gearbeitet wird. Besser wäre ein Umfeld zu schaffen, das Menschen unterstützt und ihnen echte Wahlmöglichkeiten lässt," äußerte er – ziemlich treffend übrigens. Weber glaubt durchaus, Deutschland stecke – nicht ganz freiwillig übrigens – im Tal der schwindenden Erwerbsbevölkerung. Doch statt mit dem Holzhammer mehr Arbeitsstunden zu verlangen, sieht er ganz andere Stellschrauben: Kinderbetreuung muss ausgebaut werden, Steuerbelastungen für Geringverdiener sollten sinken, und auch ältere Menschen könnten länger arbeiten – aber auch freiwillig und motiviert, nicht aus Zwang. Und das Thema Frauen mit Kindern? Nicht wieder in die „Teilzeitfalle“ bugsieren, sondern echte Entwicklungsmöglichkeiten öffnen. Fragt sich nur, wer das alles hört, wenn Söder schnellere Lösungen parat hat.

Weber weist den Vorstoß von Söder, jede:r solle pauschal eine Stunde mehr pro Woche arbeiten, als zu kurz gegriffen zurück. Statt Menschen vorzuschreiben, wie viel sie zu arbeiten haben, solle Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen: also steuerliche Entlastung für niedrigere Einkommen, bessere Kinderbetreuung und mehr Flexibilität gerade für ältere Erwerbstätige. In mehreren aktuellen Berichten wird zudem betont, dass neben dem Arbeitszeitvolumen vor allem Investitionen in Bildung, Digitalisierung und bessere Integration zentral sind (etwa bei der FAZ und Süddeutschen Zeitung). Die Lücken, die durch die demografische Entwicklung entstehen, können nur durch ein umfassenderes Maßnahmenbündel als durch reine Mehrarbeit geschlossen werden. Neue Artikel auf großen Nachrichtenseiten ergänzen, dass Arbeitszeitdebatten regelmäßig aufflammen, aber es keinen klaren volkswirtschaftlichen Konsens darüber gibt, welches Modell mehr Wohlstand verspricht – entscheidend scheinen vielmehr politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu sein.

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