Bundesregierung schweigt zum bundesweiten ÖPNV-Ausstand

Widrige Zeiten für Pendler, denn ein landesweiter Streik im öffentlichen Nahverkehr legt am Montag viele Verbindungen lahm – doch die Bundesregierung bleibt auffallend still. Zur aktuellen Eskalation in den Tarifverhandlungen möchte man sich offiziell nicht äußern.

heute 12:15 Uhr | 2 mal gelesen

Das Thema Tarifautonomie ist heilig, fast wie ein unantastbares Relikt aus einer früheren Interessenlandschaft – zumindest klingt die Haltung des Bundesarbeitsministeriums so: "Wir greifen da nicht ein." Die Regierung hält sich demonstrativ zurück; Arbeitskämpfe sind bekanntlich Sache der Sozialpartner – also jener, die auch das Streikrecht gemeinsam verteidigen (und gelegentlich gegenseitig an dessen Grenzen bringen). Interessant: Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der Vergangenheit ein höheres Arbeitsvolumen gefordert hat – der ewige Ruf nach mehr Fleiß in Deutschland, fast schon ein nostalgischer Soundtrack – geht Verdi den anderen Weg und pocht im Tarifkonflikt auf kürzere Arbeitszeiten und weniger belastende Schichten. Hier prallen also Welten aufeinander, aber laut Regierungssprecher Meyer habe das eine mit dem anderen wenig zu tun: Ob über das Land nun mehr oder weniger gearbeitet wird, sei eine gesonderte Debatte, unabhängig vom Recht der Beschäftigten auf faire Bedingungen. Doch, mal ehrlich: Wer täglich Bus oder U-Bahn fährt, merkt die Unterschiede sofort – und vielleicht auch die Kälte solcher abstrakten Prinzipien.

Bundesweite Ausstände im Nahverkehr blockieren am Montag vielerorts die Wege zur Arbeit, zur Schule, zu Freunden. Die Regierung hält sich bewusst aus Sichtweite der Streikfront und verweist auf die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie, bei der Staatseinmischung ein No-Go ist. Während Kanzler Merz insgesamt auf mehr Arbeitsleistung drängt, fordert Verdi für die Beschäftigten kürzere Arbeitszeiten – ein Tauziehen um Lebenszeit, das viel weiter reicht als die Diskussion um den ÖPNV: Angespannte Tarifverhandlungen in mehreren Branchen, die Inflation sowie Konflikte um den deutschen Wettbewerbsstandort wirken hier unübersehbar mit. Die bundesweite Streikwelle ist auch Ausdruck des wachsenden Unmuts über Arbeitsbedingungen, steigende Lebenshaltungskosten und die Frage, wie Staat und Bürger Verantwortung für die Daseinsvorsorge teilen sollen. Laut Medienberichten mehren sich zudem Diskussionen über die möglichen Folgen häufiger Arbeitskämpfe im Verkehrssektor auf das Vertrauen der Bürger – einerseits Verständnis für die Bus- und Bahnfahrer, andererseits Sorge über die Verlässlichkeit öffentlicher Infrastruktur.

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