Auffällig ist auch: Deutsche buchen im europäischen Vergleich häufiger längere Urlaube, bevorzugen also lieber einmal einen ausgedehnten Break, als sich häufiger für ein paar einzelne Tage Auszeit zu gönnen. 2025 fielen in Deutschland 1,8 Prozent aller Urlaubsanträge auf dreiwöchige oder längere Abwesenheiten – nur Nachbarländer wie Österreich oder die Niederlande zeigen ähnlich hohe Werte. Länder wie Großbritannien, Frankreich oder die Schweiz halten sich hingegen eher mit solch langen Pausen zurück. Und selbst innerhalb Deutschlands variieren die Urlaubsgewohnheiten regional: Beschäftigte in Frankfurt gönnten sich 2025 im Durchschnitt fast einen Arbeitsmonat frei (Median 28 Tage), während Hamburg mit 24 Tagen im Vergleich zu anderen Großstädten wie Berlin oder München ein wenig zurückliegt.
Die Analyse umfasste 1.710 Angestellte mit regulärem deutschen Arbeitsvertrag, ausgenommen längere Elternzeit und Sonderreglungen, und basiert auf tatsächlichen Abwesenheitsdaten aus 2025. Übrigens: Die Resultate lassen sich schwerlich auf ganz Europa übertragen, weil entsprechende Zahlen für viele Nachbarstaaten fehlen. Das Bild bleibt also – trotz der konkreten Zahlen – teils fragmentarisch. Und wie immer stellt sich die Frage, ob Zahlen, Tabellen und Prozentwerte wirklich alles erzählen. Vielleicht versteckt sich zwischen den Datensätzen ja auch noch ein winziges Stückchen Wahrheit darüber, wie wir unser Verhältnis zu Arbeit und Erholung leben.
Die aktuelle Diskussion um Arbeitszeiten und vermeintlich mangelnden Arbeitswillen der Deutschen bekommt durch diese Untersuchung eine zusätzliche Facette: Häufig verzichten viele Arbeitnehmer auf ihnen zustehende Urlaubstage, wobei nicht bloß Ansprüche und Gesetze maßgeblich sind, sondern auch tiefer liegende Fragen rund um Unternehmenskultur, Arbeitsorganisation und persönliche Einstellung zu Arbeit und Erholung. Besonders bemerkenswert: Während einige Nachbarn wie Frankreich oder Belgien deutlich seltener ihren vollen Urlaub nutzen, tendieren deutsche Beschäftigte zu längeren, wenn auch nicht noch häufigeren Auszeiten – und das variiert spürbar je nach Stadt oder Region. Wer über Arbeitszeit und Produktivität streiten will, sollte daher nicht nur auf Statistikwerte, sondern auch auf die weichen, kaum messbaren Faktoren wie Druck, Anspruchsdenken und Eigenorganisation im Arbeitsalltag blicken. Neuesten Umfragen zufolge wächst in Deutschland die Debatte über die „Vier-Tage-Woche“ und flexible Arbeitszeitmodelle, wie Berichte der Süddeutschen Zeitung und der Zeit zeigen. Insbesondere das Bedürfnis nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Leben wird von Arbeitnehmern angesichts steigender Belastungen und Fachkräftemangel zunehmend eingefordert. Die Bundesregierung prüft aktuell Reformvorschläge, um das Arbeitszeitgesetz zu modernisieren und mehr Flexibilität, etwa bei der Verteilung von Urlaubstagen oder bei Homeoffice-Regelungen, zu ermöglichen. Studien der Bundesanstalt für Arbeitsschutz heben allerdings hervor, dass eine hohe Arbeitsintensität weiterhin eines der größten Probleme im deutschen Büroalltag bleibt (kein Link, eigene Internetrecherche).