Victor Hugos Epos „Les Misérables“ neu erzählt – exklusiv bei ARD Plus

Manchmal ist es erstaunlich, wie wenig sich ändert: Frankreich, nach der Revolution. Auf den Straßen kämpfen nicht nur Ideen, sondern Menschen ums Überleben. Die Neuauflage des Klassikers „Les Misérables“, als Miniserie auf ARD Plus, nimmt das Publikum mit auf eine emotionale Reise durch Elend, Hoffnung und Moral – und lässt altbekannte Fragen aufflammen.

heute 14:29 Uhr | 1 mal gelesen

Hand aufs Herz: Wen zieht nicht die schiere Wucht von Hugos Roman in den Bann? Nun gibt’s das Ganze als atmosphärisch dichte Miniserie, inszeniert von Andrew Davies. Im Fokus steht Jean Valjean (Dominic West), der nach Jahren als Sträfling nach Erlösung sucht, aber unentwegt von Inspektor Javert (David Oyelowo) verfolgt wird. Alte Rechnungen, ständige Flucht, ein Leben unter ständigem Druck – das ist die grimmige Realität, mit der Valjean klarkommen muss. Gleichzeitig taumelt Fantine (Lily Collins) durch ein Leben, das an Grausamkeit kaum zu überbieten ist: Ihre Opferbereitschaft für ihre Tochter zerrt an den Nerven – und am Herzen gleich mit. Alles spielt vor dem Hintergrund eines zerrissenen Landes, dessen Wunden umso deutlicher werden, je genauer man hinschaut. Nicht zu vergessen: Die ewige Frage, was Vergebung, Gerechtigkeit – und ein bisschen Menschlichkeit – eigentlich noch wert sind, wenn das Leben alles abverlangt.

„Les Misérables“ erlebt als britische Miniserie eine emotionale Wiedergeburt: Nicht nur inszenatorisch, sondern auch mit Blick auf das zeitlose Ringen um Menschlichkeit und Selbstachtung. Die Hauptfiguren – Valjean, Javert, Fantine – stehen für zermürbende Kämpfe, die letztlich das Wesen einer Gesellschaft im Wandel offenbaren. Kritiker loben die immense schauspielerische Kraft und die schonungslose, fast intime Umsetzung des historischen Stoffs; bemerkenswert ist, wie aktuell das Thema sozialer Ungleichheit plötzlich wieder wirkt. Außerdem: Der Produktionsaufwand war enorm, da auf Authentizität und detailverliebte Ausstattung großer Wert gelegt wurde. Im Vergleich zu den früheren, oft musikalisch geprägten Filmtiteln dieser Geschichte, konzentriert sich diese Fassung auf die düsteren Grautöne des Romans – es gibt keine Songs, aber dafür eindringliche Bilder. Laut aktuellen Berichten bleibt die Faszination für Frankreichs Geschichte und die Fragen nach Gerechtigkeit und Hoffnung gerade im heutigen Klima höchst relevant. Die Serie reiht sich damit nahtlos in die wachsende Zahl hochwertiger Literaturverfilmungen ein, die klassische Stoffe für ein neues Publikum entstauben.

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