Sendezentrum in Baden-Baden: WDR setzt auf gemeinsame Technik für Fernsehen

Köln – Nicht mehr aus Köln, sondern aus dem Südwesten: Zukünftig steuert der WDR die technische Ausstrahlung seines Fernsehprogramms zentral aus dem Funkhaus des SWR in Baden-Baden. Teil einer größeren Kooperation innerhalb der ARD – und das spart richtig Geld.

heute 15:51 Uhr | 2 mal gelesen

Manchmal kommt der radikale Schnitt nicht mit großem Getöse, sondern fast ein bisschen leise und pragmatisch daher. Seit Kurzem läuft das Fernsehprogramm des WDR technisch nicht mehr über eigene Systeme aus Köln, sondern wird nun gemeinsam mit SWR, BR, HR und SR zentral aus dem ARD-Zentrum in Baden-Baden ausgespielt. Die Redaktion in Köln bleibt weiterhin am Hebel, was Inhalte und Programmgestaltung angeht, aber die technische Übertragung wird durch moderne, softwarebasierte Systeme im 24/7-Betrieb abgewickelt. Klingt trocken, ist aber praktisch: Eine Software dort wandelt die einzelnen Programminhalte in sendefähige Signale – und das Tag und Nacht. WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau ist sich ziemlich sicher, dass diese Zusammenlegung ein echter Gewinn ist. Millionenbeträge könnten so effizienter eingesetzt werden. Mal ehrlich: Im Öffentlichen Dienst ist das nicht selbstverständlich. Ihre Worte klingen ambitioniert: „Wir gewinnen auf diese Weise auch Spielraum für neue digitale Formate.“ Für den SWR, vertreten durch Intendant Kai Gniffke, ist das Modell ohnehin ein Erfolgsbeweis der ARD-Zusammenarbeit, quasi ein gelebtes „Gemeinsam statt alleine“ – zumindest im technischen Bereich. Redaktionell bleibt der WDR unabhängig, was auch irgendwie beruhigt. Natürlich, wie jeder Schritt zur Zentralisierung, lässt sich über Risiken streiten – etwa bei technischen Störungen oder, sagen wir mal, unkalkulierbaren Softwarefehlern. Aber wie sagt man so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ein kleines Augenzwinkern bleibt: Fernsehen aus Köln – gesendet aus Baden-Baden. Moderner Föderalismus sieht wohl so aus. Und falls Sie mal beim WDR anrufen wollen: Die gibt’s noch immer in Köln. Gelingt ihnen vielleicht ja sogar, zuhause einen besseren Fernsehempfang zu bemerken. Ehrlich gesagt: Ich merke keinen Unterschied – aber vielleicht ist genau das ein Zeichen für gelungene Technik im Alltag.

Der WDR hat die technische Ausspielung seines Fernsehprogramms an das SWR-Zentrum in Baden-Baden übergeben und schließt sich damit einem Gemeinschaftsprojekt der ARD an. Ziel ist es, die Ausstrahlung mithilfe moderner, softwarebasierter Technik zu zentralisieren und dadurch erhebliche Kosten einzusparen. Für die Zuschauer ändert sich inhaltlich nichts: Die redaktionelle Hoheit über das WDR-Fernsehen bleibt weiterhin beim WDR, lediglich die technische Abwicklung wandert gen Süden. Erweiterte Recherche: Im Kontext der ARD-Modernisierung steht diese Maßnahme exemplarisch für die laufende Diskussion um die Effizienz und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die laut einem aktuellen Artikel der Süddeutschen Zeitung angesichts strikter Sparvorgaben und steigender Konkurrenz durch Streaming-Dienste besonders kontrovers geführt wird. Gleichzeitig sorgt die Zentralisierung auch für Sorgen hinsichtlich Arbeitsplatzabbau und regionaler Identität (vgl. taz und Tagesspiegel aus den letzten Tagen). Zugleich loben Medienexperten – etwa im Spiegel – die technischen Fortschritte und die gesteigerte Zuverlässigkeit solcher gemeinsam betriebener Sendezentren, sehen jedoch die Notwendigkeit, die digitale Transformation konsequent weiterzuverfolgen und auch die Online-Angebote der Sender auszubauen.

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