Manchmal verändert sich vieles, obwohl scheinbar alles beim Alten bleiben soll. Beim BVTE, diesem mächtigen Verband der Tabakbranche und der Hersteller innovativer Nikotinprodukte, ist das gerade eindrucksvoll zu sehen. Nachdem Claudio-Alberto Dötsch die Geschicke seit 2019 in ruhige Bahnen lenkte, sorgt sein beruflicher Ausstieg für einen Wechsel, der irgendwie erwartet kam. Christian Cordes, seit Jahren tief im Dunstkreis der Branche verankert, übernimmt das Ruder. Damit bleibt alles irgendwie vertraut – und trotzdem wird ordentlich Staub aufgewirbelt. Miriam Hiller bringt frischen Elan in den Vorstand, was man, ehrlich gesagt, in der traditionell wenig wandelbaren Branche durchaus bemerkenswert finden darf.
BVTE-Chef Jan Mücke unterstreicht: Erfahrung sei momentan wichtiger denn je, zumal sich die Branche selbst im Spiegel der Gesellschaft und Politik immer wieder neu rechtfertigen müsse. Die Herausforderungen? Endlos: Von EU-Reformen wie der dritten Tabakproduktrichtlinie bis hin zu nationalen Gesetzen, Steuerfragen und der anhaltenden Debatte um Fairness in der Regulierung – ständig brodelt es irgendwo. Interessant ist auch der Drahtseilakt zwischen cleverer Steuerpolitik und Nachhaltigkeit; Stichwort: Einwegkunststoff, Kreislaufwirtschaft oder digitales Steuerzeichen. Kein Zuckerschlecken, wenn man alle Beteiligten unter einen Hut bringen will. Und ganz ehrlich: Dass die Branche 350.000 Jobs und riesige Summen für den Fiskus stemmt, beeindruckt irgendwo – auch wenn sie politisch unter Dauerbeschuss steht.
Erwähnenswert, um nicht zu sagen typisch deutsch, sind die blitzsauber abgestimmten Übergänge an der BVTE-Spitze: Dötsch zieht sich bewusst früh zurück, damit kein Machtvakuum entsteht. Wer hätte gedacht, dass in dieser Branche so viel Wert auf geordnete Übergaben gelegt wird? All das zeigt: Wandel und Tradition schließen sich mitunter eben nicht aus.
Der neue Vorstand des BVTE steht für das bewusste Festhalten an Erfahrung und Kontinuität, während frische Impulse durch Miriam Hiller erwartet werden. Die Branche befindet sich angesichts der kommenden Überarbeitung der EU-Tabakproduktrichtlinie, steuerlicher Fragen und dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit in einem komplexen Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Interesse und gesellschaftlicher Verantwortung. Nach aktuellen Recherchen stellen insbesondere die politischen Debatten um Werbebeschränkungen, die Regulierung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern sowie steuerrechtliche und ökologische Anforderungen (Recycling, Einwegplastik) die Hersteller vor ständig neue Herausforderungen. Die Tabakwirtschaft reagiert darauf überwiegend mit Appellen an evidenzbasierte Regulierung und Selbstverpflichtungen zum Verbraucherschutz. Zuletzt häufen sich in den Medien Berichte über steigende Auseinandersetzungen auf EU-Ebene, etwa im Kontext mangelnd einheitlicher Regeln für neuartige Nikotinprodukte, welche wiederum auch die nationale Gesetzgebung beeinflussen. Die Regulierung bleibt somit ein Flickenteppich, der sowohl für Hersteller als auch Verbraucher erhebliche Unsicherheiten birgt.