Arbeitszeitdebatte: DIW-Chef kritisiert Söders Vorschlag als Symbolpolitik

Die Forderung von CSU-Politiker Markus Söder, Deutsche sollten eine Stunde länger in der Woche arbeiten, trifft bei Wirtschaftsexperten wie DIW-Präsident Marcel Fratzscher auf deutlichen Widerspruch.

heute 13:33 Uhr | 4 mal gelesen

Marcel Fratzscher, der das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung leitet, hat gegenüber der 'Rheinischen Post' deutlich gemacht, dass er in den Rufen nach mehr wöchentlicher Arbeitszeit wenig Substanz sieht. Stattdessen, so Fratzscher, handele es sich hierbei um eine Art von Populismus, der das eigentliche Problem – politische und unternehmerische Versäumnisse – kurzerhand den Beschäftigten in die Schuhe schiebt. Klar, mehr Arbeitsstunden könnten wenigstens am Rande dazu beitragen, den akuten Fachkräftemangel abzumildern. Aber: Nach Fratzschers Ansicht ist das Thema komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, und es reiche keinesfalls aus, einfach bei der Arbeitszeit der Menschen anzusetzen. Wirklich gefragt seien nun Mut zu Reformen seitens der Politik sowie ein kräftiges Umdenken bei deutschen Unternehmen, mehr Innovation zu wagen und auch deutlich stärker zu investieren. Die Verantwortung auf die Schultern der Arbeitnehmer abzuwälzen, sei zu einfach gedacht – und führe letztlich in eine Sackgasse.

Der aktuelle Vorschlag von Markus Söder, die Wochenarbeitszeit zu erhöhen, hat eine Debatte über Ursachen und Lösungen wirtschaftlicher Herausforderungen in Deutschland ausgelöst. Während mehr Arbeitsstunden kurzfristig den Fachkräftemangel mildern könnten, plädiert DIW-Chef Fratzscher für einen umfassenderen Ansatz, der politische Reformen, Innovationen und Investitionen umfasst. Neueste Recherchen zeigen, dass auch andere Ökonomen und Verbände ähnlich argumentieren: Eine Arbeitszeiterhöhung löse strukturelle Probleme nicht; vielmehr müsste die Politik wettbewerbsfähigere Rahmenbedingungen schaffen und die Wirtschaft ihre Modernisierung vorantreiben. In aktuellen Meinungsbeiträgen wird zudem diskutiert, inwiefern flexible Arbeitsmodelle, Bildungsinitiativen und Digitalisierung nachhaltigere Lösungen für den Arbeitsmarkt sein könnten. Die öffentliche Resonanz ist gemischt: Manche sehen in Söders Vorstoß ein Signal für Veränderungsbereitschaft, andere kritisieren ihn als Ablenkungsmanöver. Auch internationale Vergleiche – etwa mit Frankreichs Arbeitszeitregelungen – werden herangezogen, um die Komplexität der Debatte zu verdeutlichen.

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