Timothy Snyder: Wiederholungsgefahr – Wie Trumps Politik an NS-Strategien erinnert

Der US-Geschichtswissenschaftler Timothy Snyder zieht markante Verbindungen zwischen Donald Trumps Führungsstil und Methoden des Nationalsozialismus. Am Beispiel eines US-Grenzschutzbeamten, dessen Outfit an die SS gemahnte, bringt er die Debatte ins Rollen.

heute 09:03 Uhr | 2 mal gelesen

Zur Sprache bringt Snyder unter anderem die Figur von Greg Bovino: Ein hochrangiger Beamter, der während harter ICE-Einsätze in Minneapolis Uniformen trug, welche laut Snyder an NS-Schergen erinnerten. Er erklärt, gewisse US-Ministerien bemühten sich aktiv, Codes des weißen Nationalismus in die Öffentlichkeit zu tragen. Besonders ins Visier nimmt er Elon Musk, den vielleicht einflussreichsten Amerikaner. Musk habe seine Plattform X derart umgestaltet, dass braune Inhalte so einfach gestreut werden könnten wie nie zuvor. Die These von Snyders Seite: Wenn jemand eine Pose wie den Hitlergruß zeige, dann sei das schlicht kein Zufall. Snyder ärgert sich offen über jene Menschen, die politisch Sichtbares absichtlich nicht wahrhaben wollen – das passiere aus Bequemlichkeit oder schlichtweg aus Angst vor Konsequenzen. Er widerspricht außerdem der in Deutschland häufig postulierten Ansicht, dass Vergleiche mit der NS-Zeit tabu sein sollten, um deren Einzigartigkeit nicht zu gefährden. Für ihn ist die Schlussfolgerung gefährlich, dass der Holocaust als Ausnahme für alle Zeiten unvergleichbar gemacht wird – weil dies Tiefenanalysen verhindere und Prävention im Keim ersticke. Die Geschichte, sagt Snyder mit Nachdruck, erinnert uns gerade durch Beispiele und Parallelen an ihre Lektionen und bringt so Licht ins Heute. Heute, da rechte Denkmuster und Vorbilder weltweit wieder Einfluss gewinnen. Europa, so Snyder, stelle derzeit das spannendste Gegenmodell zu imperialen Machttrieben in Russland, China und den USA dar – eine Gemeinschaft, die (im Idealfall) nicht auf Ausnutzung, sondern auf Integration basiert. Doch viele Europäer, betont er kritisch, hätten diese Chance auf eine neue Nachkriegsidee noch nicht richtig begriffen. Vor allem Deutschland komme dabei ungewollt eine Führungsrolle zu, was im kollektiven Gedächtnis oft schwer akzeptiert werde. Abschließend warnt er vor der deutschen AfD, die er als verlängerten Arm amerikanischer Internetunternehmen sieht: Sie befördere gezielt den Einfluss von Social-Media-Konzernen und US-Tech-Oligarchen auf Deutschlands Demokratie, um Europas Zusammenhalt zu sabotieren. Musk und andere unterstützten diese Zersetzungsbemühungen, weil sie an der EU kein Interesse hätten – ganz im Gegenteil.

Snyder warnt davor, die Verbindungen zwischen autoritären Tendenzen in den USA unter Trump und historischen NS-Methoden zu verkennen, besonders wenn es um Strategien der Einschüchterung, Symbolpolitik und die Verbreitung rechtsextremer Inhalte in sozialen Netzwerken geht. Er sieht in Elon Musks Plattform-Politik eine direkte Gefahr für demokratische Strukturen, weil sie die Verbreitung extremer Ideologien begünstigt – diese These findet angesichts jüngster Debatten um Desinformation auf X in aktuellen Medienberichten ein Echo. Snyders zentrale Forderung ist, die Singularität des Holocausts nicht als Denkverbot für historische Vergleiche zu missbrauchen, sondern im Gegenteil daraus differenziert Lehren für Gegenwart und Zukunft zu ziehen: Gerade in einer Welt mit erneut erstarkenden faschistischen Strömungen bleibt dies elementar. Weiterführende Recherchen zeigen, dass die Diskussion um den Einfluss digitaler Plattformen auf Demokratie und Informationsräume gerade in Deutschland hitzig geführt wird – etwa nach neuen Berichten über gezielte Desinformationskampagnen in sozialen Netzwerken und dem zunehmenden Druck auf EU-Institutionen, digitale Räume stärker zu regulieren. Auch die Rolle der AfD, die teils enge Vernetzung mit Social-Media-Giganten und damit verbundene Auswirkungen auf den europäischen Zusammenhalt, stehen aktuell im Mittelpunkt der politischen Debatte (vgl. Artikel auf taz, Spiegel, Zeit).

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