Es gab einmal Zeiten, da galt Journalismus als Bollwerk gegen Willkür, Verschleierung und Machtmissbrauch. Nicht bloß als Informationsquelle, sondern als unermüdliches Korrektiv in einer immer komplexeren Welt. Mittlerweile? Wird dieses Ideal Stück für Stück ausgehöhlt; ökonomisch, medial, kulturell. Große Redaktionen sparen sich buchstäblich kaputt, während gleichzeitig PR-Etats feist aufblühen und der Algorithmus pflichtschuldig ausspuckt, was am meisten Klicks bringt. Irrsinnig eigentlich: Während substanzielle Recherchen dem Rotstift zum Opfer fallen, wuchert die Scheinvielfalt algorithmischer Inhalte – ein Themenwirbelsturm ohne Tiefgang. Der aktuelle Personalabbau bei der traditionsreichen Washington Post – 300 hochangesehene Journalist*innen verlieren ihren Job – ist dabei bezeichnend. Man stelle sich das vor: Jeff Bezos, einer der reichsten Menschen des Planeten, besitzt die Zeitung und schiebt dennoch "unvermeidbare Kosteneffizienz" als Argument vor. 250 Milliarden Dollar Privatvermögen stehen läppischen 70 Millionen Euro Jahresverlust gegenüber. Als könnten Bohnenzähler einem Drachen die Zähne zeigen.
Die Wahrheit ist unbequem: Der sogenannte Pluralismus, getrieben von künstlichen Intelligenzen, ist nur eine Simulation wirklicher Vielfalt. Wenn eine breite Öffentlichkeit nur noch gefilterte, zusammengefasste Informationshäppchen erhält, während echter Tiefgang Luxusgut für Abonnenten und Eliten wird – was bleibt dann von demokratischer Öffentlichkeit? Die Idee, dass der Markt schon irgendwie für Qualität sorgt, ist nicht weniger gefährlich als naiv. KI macht Mittelmaß nicht nur billig, sondern auch allgegenwärtig – und nivelliert alles, was irgendwie Widerhaken oder Originalität besaß.
Noch werden Demokratien nicht von Botschaften zu Tode reguliert, aber der Journalismus, wie wir ihn kennen, wird langsam, leise ausgezehrt. Was bleibt? PR statt Recherche. Meinung statt Fakt. Fassadenpluralismus. Der leise Abgesang auf eine kritische Säule der Gesellschaft ist längst im Gange. Und trotzdem: Ich glaube, es ist nicht zu spät – sofern Medien wieder als das betrachtet werden, was sie einmal waren: demokratische Grundnahrung, nicht bloß "Content" am Fließband.
Der massive Stellenabbau bei der Washington Post, orchestriert vom milliardenschweren Eigentümer Jeff Bezos, ist ein beunruhigendes Beispiel für den aktuellen Absturz des demokratischen Journalismus, wie Ethik pro Austria betont. Die Entwicklung steht exemplarisch für einen globalen Trend: Während Qualitätsjournalismus durch Budgetkürzungen und technologische Disruptionen geschwächt wird, gewinnen KI-generierte Inhalte, PR und algorithmische Filter an Bedeutung – auf Kosten differenzierter Recherche und echter Meinungsvielfalt. Experten und Journalist*innen warnen landauf, landab, dass diese Transformation nicht nur das amerikanische, sondern auch das europäische Mediensystem angreift, die Öffentlichkeit spaltet und die Demokratie gefährdet.
- Laut der Washington Post selbst führte die jüngste Restrukturierung zu massiven Unruhen in der Belegschaft und wurde mit sinkenden Abozahlen begründet; Kritiker halten dagegen, dass die Entscheidung vor allem Renditeerwartungen großer Investoren folgt.
- In Deutschland und Europa mehren sich Warnrufe, dass sich parallele Entwicklungen abzeichnen – zuletzt streikten u.a. Beschäftigte von taz und FAZ aus Protest gegen Sparmaßnahmen, gleichzeitig berichten zahlreiche Medien über einen massiven Stellenabbau im gesamten Sektor.
- Mehrere aktuelle Analysen thematisieren, dass KI-unterstützte Verlagshäuser im Moment vor allem Effizienz- und Click-Bait-Ziele verfolgen, während tiefergehende Recherchen seltener werden. Das führe langfristig zu einer Wissenselite auf der einen Seite und Informations-Prekariat auf der anderen, mit Folgen für die demokratische Willensbildung.