Das Ende der Einspeisevergütung? – Dach-Photovoltaik zwischen Chancen und Risiken

Mehr als ein Drittel unseres Solarstroms entsteht auf den Dächern privater Haushalte. Pläne der Bundesregierung, die Förderung kleiner Solaranlagen durch das EEG abzuschaffen und stattdessen auf verpflichtende Direktvermarktung zu setzen, könnten ausgerechnet dieses Rückgrat der Energiewende schwächen. Das zeigt die jüngste Untersuchung des Fraunhofer ISE, die für EWS Schönau entstand – mit skeptischem Blick auf die Umsetzbarkeit und Folgen für Investoren.

heute 10:27 Uhr | 2 mal gelesen

'Direktvermarktung lohnt sich aktuell für die meisten Privatnutzer kleiner PV-Anlagen nur, wenn sie ihre Eigenverbrauchsquote um rund 15 Prozent steigern', erklärt Verena Fluri, Mitautorin der neuen Fraunhofer-Studie. Das Problem: Ohne EEG-Vergütung müssten die meisten Verbraucher ihre Anlagen wahrscheinlich kleiner dimensionieren, manche Dachflächen blieben sogar ganz ungenutzt – eine Entwicklung, die gegen die Ziele der Energiewende läuft. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Hürden: Die technische und bürokratische Handhabung der Direktvermarktung ist bisher ein ziemlicher Dschungel, so Fluri. Smart Meter fehlen flächendeckend, und der elektronische Datenaustausch im Energiemarkt ist alles andere als standardisiert. Peter Ugolini-Schmidt von EWS betont, dass gerade kleinere Anlagen in den letzten Jahren für enorme Zubauraten sorgten – 2023 waren es beeindruckende acht Gigawatt, 2025 immerhin noch rund fünf GWp. Die Studie fragt deshalb nüchtern, ob eine reine Direktvermarktung tatsächlich praktikabel ist oder ob nicht flexiblere Konzepte wie Festpreistarife oder dynamische Einspeisevergütungen sinnvoller wären. Alexander Sladek, Vorstand der EWS, warnt: 'Ein überhasteter Stopp der EEG-Förderung träfe vor allem Bürgerenergieprojekte und Einzeleigentümer, die ohnehin schon jede Rechnung dreimal durchkalkulieren müssen.' Dass die Bundesregierung dennoch auf eine EEG-Novelle zusteuert, liegt auch an europäischen Vorgaben – das bisherige Modell läuft 2026 aus. Aber: Solange Netzinfrastruktur und Digitalisierung hinterherhinken, ist eine schnelle Abschaffung der Einspeisevergütung womöglich mehr Bremsklotz als Beschleuniger für die Energiewende. Die zentrale Forderung der Studie klingt für mich schlicht vernünftig: Keine Panik-Entscheidungen, sondern eine Modernisierung, die Planungssicherheit und Weiterentwicklung sinnvoll abwägt.

Die Diskussion um die Abschaffung der EEG-Einspeisevergütung für kleine Dach-PV-Anlagen ist nicht nur technisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich umstritten. Laut Recherchen auf taz.de wird zu Recht vor überhasteten Maßnahmen gewarnt, da sowohl private Haushalte als auch Bürgerenergieprojekte unter bürokratischem Mehraufwand und fehlender Netzmodernisierung leiden könnten. Aktuelle Berichte auf faz.net und spiegel.de heben hervor, dass Solarausbauziele der Bundesregierung weiterhin ehrgeizig sind, aber zentrale Voraussetzungen wie der konsequente Smart-Meter-Rollout, digitale Netze und praktikable Marktlösungen bislang als ‚Baustellen‘ gelten. Hinzu kommt, dass die Debatte inzwischen politisch Fahrt aufnimmt: Ein mögliches Förder-Aus könnte erhebliche Investitionszurückhaltung nach sich ziehen – ähnlich wie zeitweise im Mietendeckel-Streit oder bei Windkraftprojekten beobachtet. Insgesamt zeigt die gegenwärtige Debatte, dass die Energiewende auf dem Papier zwar messbar voranschreitet, Fortschritt aber nicht selten im Kleingedruckten einer Gesetzesnovelle ausgebremst werden kann.

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