Der finale Vorschlag der CDU zum Thema Teilzeitarbeit, über den die 'Rheinische Post' berichtet, klingt ungewohnt gedämpft. Was vorher noch mit dem polarisierenden Ausdruck „Lifestyle-Teilzeit“ versehen war – ein Begriff, den vor allem Mittelstandsvertreter gern bemühten –, kommt jetzt sachlicher daher. Es geht darum, ob geltende Vorschriften zu Teilzeit möglicherweise falsche Anreize setzen und Erwerbsumfänge ohne echten Grund blockieren. Gleichzeitig stellt die Union klar, dass legitime Motive wie Kindererziehung, Pflege oder berufliche Weiterqualifikation sicher aus dem Raster fallen.
Etwas heikel wird es, wenn es um Teilzeitarbeit in Verbindung mit staatlicher Unterstützung geht: Menschen, die keine Betreuungs- oder Pflegepflicht haben und grundsätzlich arbeiten könnten, sollen durch Vollzeitjobs ihren Lebensunterhalt selbst stemmen. Einen Freifahrtschein für Teilzeit aus bloßem Wunsch heraus lehnt man ab. Unterm Strich betont der Antrag, dass ein Ordnung schaffender Umgang mit Teilzeit essentiell sei. Die CDU möchte die Arbeitsmarktpolitik insgesamt robuster machen. Die konservative Partei empfiehlt, das Papier an Parteigremien und die Bundestagsfraktion weiterzugeben – der Ball liegt also wieder bei den Entscheidungsträgern. Irgendwie typisch Politik: Ein bisschen Rückzieher, ein bisschen Nachdruck.
Die CDU steuert im Streit um Teilzeitjobs um und will keine Stigmatisierung mehr, sondern eine ausgewogenere Prüfung der Regeln. Kern des neuen Antrags: Über mehr Anreize für solide Beschäftigung sprechen, aber Ausnahmen für soziale Belange wie Erziehung oder Pflege ausdrücklich schützen. Mein Eindruck: Der Tonfall ist spürbar vorsichtiger geworden – wohl auch aus Angst vor öffentlicher Empörung.
Hintergrund dazu: Laut aktuellen Berichten wird in deutschen Unternehmen Teilzeit zunehmend nachgefragt, besonders von Frauen und Eltern. Die Debatte passt auch deshalb zur politischen Großwetterlage, weil der Arbeitsmarkt unter akutem Fachkräftemangel leidet und die Bundesregierung parallel mit Reformen wie dem „Chancen-Aufenthaltsgesetz“ auf mehr Beschäftigung zielt. Bei Fachleuten und Sozialverbänden polarisiert der CDU-Kurs weiterhin: Einige sehen darin Gefahr für Gleichstellung, andere begrüßen die Diskussion um Anreizmechanismen. Neueste Zahlen deuten übrigens darauf hin, dass 2024 knapp 30 Prozent aller Beschäftigten in Teilzeit arbeiten – ein historischer Höchststand.