Wenn Pixel tanzen: Der ARD Game Jam fusioniert Klassik und Gaming

Zweimal im Februar 2026 kreuzen sich in Baden-Baden ganz unterschiedliche Welten: Auf einmal wird klassische Musik im digitalen Raum lebendig – und Computerspiele bekommen einen orchestralen Puls. Die beiden ARD-Klassik-Events – 'Game On Symphony' am 5. Februar und der 'Game Jam' vom 13. bis 15. Februar – lassen sich im Livestream auf ARD Klassik, YouTube und ARD Twitch erleben.

heute 13:10 Uhr | 1 mal gelesen

Manchmal fragt man sich ja, ob Klassik und Gaming überhaupt zusammenpassen. Zwischendurch überrascht einen das Leben (oder eben der SWR) mit Formaten, auf die man selbst kaum gekommen wäre: Sieben Entwicklerteams schließen sich vom 13. bis 15. Februar 2026 auf dem ARD-Twitch-Kanal und YouTube ARD Klassik zu einer ungewöhnlichen Mission zusammen. Ihr Auftrag? Computerspiele erschaffen – inspiriert von Livemusik, eingespielt von Mitgliedern des SWR Symphonieorchesters. Das klingt erstmal nach viel Potential fürs kreative Chaos: Während draußen vermutlich noch Schneeregen auf die Schwarzwaldwipfel rieselt, treffen klassische Orchesterklänge im Studio auf Tastaturgeklapper, Kopfnicken und fragende Gesichter. Spannend wird’s vor allem, weil die Musik zur spielerischen Seele der Games werden soll: Mal bestimmt der Rhythmus Mechanik und Atmosphäre, mal bekommen Geschichten aus der Musikgeschichte digitales Fleisch. Die Zuschauerinnen und Zuschauer dürfen nicht nur zuschauen, sondern im Twitch-Chat mitmischen – inklusive Insights von Daniel Budiman, Sofia Kats und Louis Philippson. Wer übrigens schon mal einen Musikliebhaber bei der ersten Begegnung mit einem pew-pew-lastigen Jump’n’Run erlebt hat, ahnt: Es wird nicht an Überraschungen fehlen. Ablauf? Am Freitag, dem 13. Februar, geht’s los mit einer Auftaktshow, Livemusik, Themanennung und Teamvorstellung. Samstag ist Kreativwerkstatt, sonntags das große Finale inklusive Live-Jury – die Spiele bekommt man direkt zum Ausprobieren. Und zwischendurch füllt das Orchester die Luft mit Soundtracks klassischer Games. Die Architektur der Veranstaltung hat fast was von moderner Oper – nur interaktiver und mit wahrscheinlich weniger Operncapes, dafür mehr Hoodies. Wer sich übrigens für den Einfluss von Musik auf Spieleentwicklung interessiert oder der Meinung ist, Orchestermusik solle wieder öfter im Alltag auftauchen, bekommt hier staunenswerte Perspektiven geboten. Und noch ein Bonus – schon eine Woche vorher, am 5. Februar 2026, lädt das Münchner Rundfunkorchester zu "Game On Symphony": ein Konzertabend rund um Game-Musik – von Zelda bis Call of Duty, von genreprägenden Klassikern bis zu Stücken aktueller Grammy-nominierter Komponisten. Alles live in München, aber bequem im Stream zu verfolgen. Am Ende soll’s weniger um ein Schaulaufen zweier Kulturen gehen, als um deren überraschend fruchtbare Begegnung – mit Kanten, kleinen Pannen, und jenen kreativen Blitzen, die man einfach nicht im Voraus abschätzen kann. Fast wie ein Glitch im System – nur schöner.

Der ARD Game Jam - Classical Edition, eine Kollaboration zwischen SWR Kultur, SWR X Lab und Beans Entertainment/Midflight, bringt Teams aus der Spieleentwicklung mit klassischer Musik in einem dreitägigen Streaming-Liveevent zusammen. Die Beteiligten lassen sich in Echtzeit von Werken eines zehnköpfigen Ensembles des SWR Symphonieorchesters inspirieren und integrieren musikalische Elemente direkt in die Mechaniken und narrative Struktur der Games. Gleichzeitig begleitet das Format mit populären Game-Soundtracks und Diskussionsrunden auch das Publikum auf einer Erkundung zwischen Klassik, Popkultur und digitaler Kreativität – ein bislang einzigartiger Brückenschlag, der aufzeigt, wie digitale und musikalische Welten miteinander verschmelzen können. Recherchiert man in aktuellen Medien, finden sich zahlreiche Hinweise darauf, wie das Interesse an Hybrid-Formaten zwischen Musik, Digitalität und Popkultur auch in anderen Bereichen wächst. Neue Formen interaktiver Klassikvermittlung, Experimente mit Orchestersamples in der Gameproduktion oder die verstärkte Präsenz orchestraler Game-Soundtracks in klassischen Konzertsälen zeigen, dass die Szene in Bewegung ist – besonders, wenn Veranstalter gezielt unterschiedliche Zielgruppen ansprechen wollen und dabei mutig neue Wege gehen. Mit dieser Offenheit für Genreüberschreitungen und Live-Interaktion liegt der ARD Game Jam voll im Trend einer neuen Kulturvermittlung, wie sie etwa auch von Institutionen wie der Deutschen Kammerphilharmonie oder bei Formaten wie 'Gaming meets Opera' erprobt wird.

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