Pflegevorsorge am Arbeitsplatz: Deutsche sehen Arbeitgeber in der Pflicht

Eine Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland wünscht sich eine betriebliche Pflegeversicherung als Teil ihrer Benefits – wichtiger sogar als das Diensthandy oder ein Nahverkehrsticket. Das zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag des PKV-Verbands. Angesichts steigender Eigenanteile im Pflegefall bekommt das Thema neue Brisanz.

heute 14:49 Uhr | 1 mal gelesen

Es gibt wohl kaum eine Mittagspause, in der das Thema Pflege unbemerkt bleibt – sei es, weil die demografische Entwicklung langsam unter die Haut geht oder weil wieder jemand im Familienkreis Unterstützung braucht. Laut einer Online-Umfrage des Civey Instituts wünschen sich über drei Viertel der deutschen Beschäftigten, dass der eigene Arbeitgeber eine betriebliche Pflegezusatzversicherung anbietet. 64 Prozent sagen sogar: So eine Absicherung sei ihnen wichtiger als klassische Extras wie Diensttelefone oder Nahverkehrstickets. Diese Perspektive teilt auch der Vorstand des PKV-Verbands, Thomas Brahm – er fordert, dass die Politik die kapitalgedeckte Pflegevorsorge steuerlich stärker fördert. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) wächst rasant. Rund 60.000 Unternehmen bieten mittlerweile eine bKV, 15,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Von den 2,82 Millionen Versicherten profitieren rund 450.000 auch von einer betrieblichen Pflegeversicherung – das sind immerhin knapp 365.000 mehr als im Jahr zuvor. Gerade für junge Fachkräfte ist das laut Studien besonders attraktiv, und fast zwei Drittel aller Arbeitnehmer sehen hierin für Arbeitgeber einen Vorteil im Ringen um Talente und Loyalität. Die bKV fungiert als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung: Sie deckt Leistungen ab, die über das gesetzliche Maß hinausgehen, etwa Zahnersatz oder spezielle stationäre Behandlungen. Oft entfallen Gesundheitsprüfungen, was den Einstieg erleichtert – sogar für Familienangehörige. Ein bisschen überraschend: Trotz der Vorteile entsteht im Alltag immer noch Verunsicherung, gerade beim Thema Pflege. Das zeigt, wie groß der Bedarf an verständlicher Aufklärung ist.

Die große Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland befürwortet die Einführung einer betrieblichen Zusatzpflegeversicherung, weil sie steigende Eigenanteile im Pflegefall fürchtet und sich vom Arbeitgeber mehr Absicherung erwartet. Aktuelle Daten zeigen, dass die Zahl der Unternehmen, die eine betriebliche Krankenversicherung (inklusive Pflegezusatz) anbieten, stark ansteigt, und dieses Modell dient nicht nur der Vorsorge, sondern auch als Instrument zur Fachkräftebindung. Außerdem ist die politische Debatte um steuerliche Förderungen und Rahmenbedingungen für solche Angebote erneut entbrannt: Während Sozialverbände fordern, Eigenanteile weiter zu begrenzen und Pflege insgesamt solidarischer zu finanzieren, drängen Versicherungsverbände und Teile der Wirtschaft auf betriebliche Lösungen und steuerliche Vorteile. Weiterhin gibt es – angesichts ungelöster Fragen der Finanzierung und Pflegequalität – Zweifel, ob allein betriebliche Angebote die Herausforderungen wirklich lösen können. Ergänzend beleuchten aktuelle Berichte die steigende Belastung pflegender Angehöriger, den wachsenden Pflegebedarf durch den demografischen Wandel sowie die Auswirkungen von Reformen wie der jüngst vom Bundestag verabschiedeten Pflegefinanzierung, die jedoch nach Expertenmeinung die Lücken im System nicht auffängt.

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