Minijobs gelten schon lange als zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ermöglichen sie Beschäftigungsmöglichkeiten mit geringerem Aufwand, etwa für Studierende oder Rentner – auf der anderen Seite entziehen sie dem Sozialversicherungssystem jedes Jahr Milliardenbeträge. Nach den aktuellen Zahlen des Bundesarbeitsministeriums und einer Anfrage der Linken summieren sich die Mindereinnahmen auf rechnerisch über vier Milliarden Euro pro Jahr, sofern die Beschäftigten nicht ab dem ersten Euro in die Sozialversicherung einzahlen. Debatten um eine Abschaffung oder Reform reißen nicht ab: Während die Linke die sofortige Sozialversicherungspflicht fordert und die CDU mittlerweile Bewegungsbereitschaft signalisiert, mahnt das Ministerium, die Zahlen ließen sich wegen fehlender Prognosen zu Anpassungseffekten nicht eins zu eins auf die Realität übertragen. In aktuellen Hintergrundberichten zeigen jedoch verschiedene Arbeitsmarktforscher und Sozialverbände, dass eine Reform der Minijobs nicht nur das Sozialversicherungssystem stärken, sondern auch prekäre Beschäftigung eindämmen könnte. Zugleich warnen Arbeitgeberverbände vor zu schnellen Einschnitten, da viele Minijobs im Handel und in der Gastronomie fest verankert sind und Arbeitsplätze für Randgruppen bieten. In der öffentlichen Debatte betonen Sozialexperten aber, dass die aktuell lasche Regelung vor allem Unternehmern nützt, während Beschäftigte im Alter oder bei Krankheit oftmals schlecht abgesichert sind.