Industrie-Aufträge legen überraschend zu – Schwankungen bleiben

Nachdem zuletzt viel von Krisenstimmung die Rede war, vermeldet die deutsche Industrie im Dezember 2025 einen kräftigen Zuwachs bei den Auftragseingängen – jedoch steckt der Teufel wie so oft im Detail.

heute 08:09 Uhr | 5 mal gelesen

Mal ehrlich, wer hätte das gedacht? Im Dezember 2025 springen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe gegenüber dem Vormonat laut Statistischem Bundesamt um satte 7,8 Prozent nach oben – das ist, vorsichtig gesagt, kein Pappenstiel. Allerdings: Zieht man die Großaufträge ab, sieht das Ganze schon unscheinbarer aus: Dann bleibt nur noch ein Zuwachs von 0,9 Prozent übrig. Ein typischer Fall von Schein und Sein. Über das Quartal hinweg gesehen bleibt’s aber dennoch positiv; verglichen mit dem dritten Quartal 2025 steigen die Aufträge zwischen Oktober und Dezember immerhin um 9,5 Prozent – ohne Großaufträge sind es immer noch 2,5 Prozent Zuwachs. Mit viel Tamtam kamen besonders viele Großbestellungen aus der Metallerzeugung (Plus 30,2 Prozent!) und aus dem Maschinenbau (Plus 11,5 Prozent). Dass hier dicke Brocken eingegangen sind, verwundert Branchen-Insider kaum, denn gerade hier gibt es oft Deals, die alles in Bewegung setzen. Auch Hersteller von elektrischer Ausrüstung und Computer-Komponenten können sich über ein Mehr freuen. Umgekehrt? Die klassische Automobilindustrie meldet ein Minus von 6,3 Prozent – offen gestanden hätte ich angesichts der unsicheren Zulieferketten Schlimmeres erwartet. Bitter erwischte es auch den Bereich Flugzeuge/Schiffe/Züge, mit 18,7 Prozent Rückgang, wobei trotzdem einige dicke Einzelaufträge reingekommen sind. Werfen wir einen Blick auf die Warengruppen: Investitionsgüter sind ordentlich gefragt (+10,5 Prozent), aber bei Konsumgütern wird geknausert (–5,3 Prozent). Der Binnenmarkt brummt stärker als das Ausland: In Deutschland legen die Bestellungen um 10,7 Prozent zu, aus der EU fällt das Plus mit –0,6 Prozent sogar minimal negativ aus, während Aufträge von außerhalb der Eurozone erstaunliche 9,7 Prozent hinzugewinnen. Nur der Umsatz – einer hätte es ja sein können – bleibt mit –1,4 Prozent hinter dem Novemberwert zurück und ist auch übers Jahr gesehen niedriger als 2024. So oder so: Ein, zwei Überraschungen gab es, und auch wenn das Bild volatil bleibt, sieht’s nach etwas mehr Schwung aus als zuletzt. Nur sollte man sich nicht blenden lassen – so schnell entschwindet jener Optimismus so manches Mal auch wieder. Das macht Wirtschaft, vielleicht ähnlich wie das Wetter, letztlich spannend.

Der Auftragseingang im deutschen verarbeitenden Gewerbe ist im Dezember 2025 entgegen vieler Erwartungen kräftig gestiegen, maßgeblich getrieben durch Großaufträge im Maschinenbau und der Metallerzeugung. Eine nähere Analyse relativiert jedoch den Boom: Ohne Großaufträge bleibt der Zuwachs überschaubar, und gerade die bedeutende Automobilbranche sowie der Fahrzeugbau verzeichnen spürbare Rückgänge im Auftragseingang. Bemerkenswert ist zudem, dass sich der Inlandsmarkt robuster zeigt als die Bestellungen aus dem Ausland, wenngleich insbesondere Auftraggeber von außerhalb der Eurozone viele neue Bestellungen platzierten. Trotz dieses positiven Signals bleibt der reale Umsatz im verarbeitenden Gewerbe im Jahresvergleich rückläufig, was auf anhaltende strukturelle Belastungen wie schwächelnde Nachfrage nach bestimmten Gütern, Fachkräftemangel und hohe Energiepreise hindeuten könnte. Rechercheaktuell ergänzend: Laut taz.de sind deutsche Industrieunternehmen trotz des Bestellungswachstums weiterhin vorsichtig, da Lieferengpässe, geopolitische Unsicherheiten und hohe Energiepreise die Produktionsplanung erschweren. Die Süddeutsche berichtet zudem, dass zahlreiche Betriebe auf eine stabilere Nachfrage in 2026 hoffen, jedoch angesichts der Globalisierung sowie der Wettbewerbssituation im Maschinen- und Anlagenbau auf mehr Innovation und Digitalisierung setzen müssen. Die FAZ hebt hervor, dass die Auslandsnachfrage – insbesondere aus den USA und Asien – für einen Teil des Zuwachses verantwortlich sei, während die steigenden Inlandsaufträge auf Infrastruktur- und Bauprojekte zurückzuführen seien. Insgesamt bleibt der Ausblick verhalten optimistisch, da die Zahl der Großaufträge für kurzfristige Schwankungen sorgen kann, das strukturelle Wachstum der Industrie aber von globalen Entwicklungen und politischen Weichenstellungen abhängig bleibt.

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