Wirtschaft prüft die Ampel – Unternehmen vergeben schlechte Noten

Deutschlands Betriebe sind gerade wenig beeindruckt von der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung – und lassen das in einer neuen Umfrage sehr deutlich werden.

heute 09:20 Uhr | 3 mal gelesen

Wenn Unternehmen Noten vergeben könnten wie früher in der Schule, sähe das Zeugnis für die Bundesregierung bitter aus. Durchschnittlich gibt es nur eine 4,2 – was umgangssprachlich einem 'ausreichend minus' gleichkommt, so das Resultat einer frischen Umfrage des Ifo-Instituts. Branchenübergreifend sehen Firmen quer durch die Bank Stillstand bei den wichtigsten wirtschaftlichen Themen. Klaus Wohlrabe, der die Ifo-Umfragen leitet, bringt es resigniert auf den Punkt: 'Die Unternehmen sehen aktuell kaum Fortschritte.' Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse: Besonders schlecht schneiden die Sozial- und Rentenpolitik ab (mit satte 4,6), aber selbst Felder wie Arbeitsmarkt, Industrie, Energie und Klima werden meist nur gerade so als 'ausreichend' benotet. Etwas milder fällt das Urteil bei Finanz- und Digitalisierungspolitik aus, aber auch hier schwankt es bestenfalls bei einer 'vier'. Interessant: Die Skepsis ist kein exklusives Industriephänomen – was auch immer das Klischee sagt. Im Gegenteil, der Dienstleistungssektor stimmt da ein. Wirklich gute Noten? Fehlanzeige. Niemand gelingt ein Sprung nach oben – eher pendeln sich die besten Bewertungen halbherzig im Mittelfeld ein, während mancher Bereich tief im Keller bleibt. Klarer Appell der Unternehmen: Weg mit der Bürokratie, fordern sie zu rund 40 Prozent. Nahezu genauso viele schreien geradezu nach Steuerreformen oder günstigeren Abgaben. Arbeitsmarkt, Energieversorgung, Standortbedingungen und Investitionen landen ebenfalls auf der reformbedürftigen Wunschliste. Von hohlen Ankündigungen haben die Unternehmen offenbar endgültig genug.

Die aktuelle Ifo-Umfrage verdeutlicht ein wachsendes Vertrauensproblem zwischen Wirtschaft und Regierung. Viele Unternehmen finden, dass Berlin nur langsam und wenig koordiniert auf die drängendsten Herausforderungen wie Digitalisierung, Energiewandel oder den echten Arbeitskräftemangel reagiert. Während wirtschaftliche Unsicherheiten und schleppende Reformen weiterhin für eine angespannte Stimmung sorgen, bleibt das Gros der Unternehmen erwartungsvoll – und zugleich skeptisch, ob Besserung in Sicht ist. Ausführliche Recherchen zeigen: In den letzten zwei Tagen sind mehrere gewichtige Artikel erschienen, die etwa die lahmende Industrie, Probleme bei der Digitalisierung oder die Herausforderungen rund um Energiepreise und den internationalen Wettbewerb beleuchten. Auch der 'Standort Deutschland' steht unter verstärkter Beobachtung und viele Stimmen - aus Wirtschaft wie Gewerkschaften - drängen auf unmittelbare Reformen, wie explizit in den Artikeln auf www.sueddeutsche.de oder www.spiegel.de gefordert wird.

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