ICD-10-Kodierung: Pflicht kommt später, Umstellung bleibt – Warum jetzt der beste Moment zu handeln ist

Die Einführung der verpflichtenden ICD-10-Diagnosenkodierung für österreichische Ärztinnen und Ärzte wurde verschoben – doch wer denkt, jetzt zurücklehnen zu können, irrt. Der Aufschub bis 2026 bringt zwar kurzfristig Erleichterung, birgt aber auch das Risiko eines Chaos, wenn zu viele gleichzeitig umstellen. Wer früh beginnt, spart am Ende Nerven und Zeit.

heute 10:34 Uhr | 2 mal gelesen

Etwas, das im österreichischen Gesundheitssystem selten passiert: Der große, alles ändernde Stichtag wird verschoben. Die verpflichtende ICD-10-Kodierung, die ursprünglich schon am 1. Januar 2026 greifen sollte, rückt ins dritte Quartal – mit einer Pilotphase für die Vorreiter ab Jahresbeginn. Hört sich nach Aufschub, nach 'Zeit gewonnen' an – aber ganz ehrlich, wer jemals versucht hat, im Hochsommer irgendetwas bürokratisch Relevantes in einer Arztpraxis zu erledigen, ahnt bereits, was im Hintergrund lauert: Terminengpässe, Dauerbesetztzeichen, Unterstützung, die zu wünschen übrig lässt. Die entscheidende Botschaft: 'Jetzt mit der Umstellung beginnen' ist kein cleveres Marketing, sondern vermutlich eine Empfehlung mit Pragmatismus-Hintergrund. Kutschera-Datentechnik etwa drückt es so aus: Im Sommer, wenn alle gleichzeitig anklopfen, steht man im – Flur, am Telefon, in der digitalen Warteschlange. Ein Bild, das so ziemlich jede:r kennt, die/der mal im August bei einer Behörde vorstellig wurde. Technisch bringt das Ganze zudem Herausforderungen. Die Integration neuer Kodiersysteme wie SNOMED und die automatische Übersetzung über das e-Health Codierservice ist zwar inzwischen sehr vielversprechend. Aber eine Software lebt von Menschen, die sie bedienen und denen die Routine fehlt, wenn sie das Tool erst am letzten Drücker ausprobieren. Ein weiterer Vorteil, wenn man sich früher reinhängt: Wer die Pilotphase nutzt, kann in Ruhe Fehler machen, Fragen stellen, Schulungstermine wahrnehmen – und ist bis zum Pflichtstart (Q3 2026!) ganz sicher kein Update-Panikopfer mehr. Ein weiteres Detail am Rande, das viele wahrscheinlich übersehen: Für kleine Praxen, insbesondere für Wahlärzt:innen mit weniger als 300 Patient:innen pro Jahr, gibt es eine Ausnahme von der Pflicht. Außerdem trifft die E-Card-gesteuerte Meldung auch nicht auf jeden zu. Das nimmt einigen den Druck, ändert aber für den Großteil wenig an der Notwendigkeit, möglichst vorausschauend zu planen. Hand aufs Herz: Wer jetzt wartet, spielt später hoffentlich nicht mit der eigenen Belastungsgrenze. Der frühe Pilot-fängt-den-Wurm. Schon diese kleinen zeitlichen Puffer können Gold wert sein. Denn Stress, wenn Deutschland schon lange kodiert und jetzt auch Österreich endlich nachzieht, wird es spätestens dann genug geben.

Die Verschiebung der verpflichtenden ICD-10-Kodierung in Österreich bietet zunächst eine Verschnaufpause, doch der Stichtag im dritten Quartal 2026 bleibt gesetzt. Bereits ab Januar 2026 können Praxen freiwillig am Pilotbetrieb teilnehmen – wer diese Chance nutzt, hat beim späteren Pflichtstart einen erheblichen routinemäßigen Vorsprung. Die technische Umstellung ist durch die Integration von SNOMED und dem e-Health Codierservice zwar einfacher als früher, verlangt jedoch frühzeitige Schulung und Implementierung, um Support-Engpässe im Sommer zu vermeiden. Die Novelle sieht Ausnahmen für bestimmte Wahlärzte vor, die weniger als 300 Patienten pro Jahr betreuen, und schließt E-Card-Nutzung in die Meldepflicht ein. Aktuelle Berichte betonen, dass der internationale Rückstand Österreichs bei der ICD-10-Einführung die Effizienz und Qualitätskontrolle im Gesundheitswesen bisher spürbar limitiert hat, was sich durch die neue Kodierung endlich verbessern soll. Zugleich warnen viele Akteure vor einem lähmenden Sommerstau, wenn Praxen die Pilotphase ungenutzt lassen. Länder wie Deutschland und die Schweiz sind im Umgang mit digitalen Kodiersystemen bereits deutlich weiter – Österreichs Aufholjagd bedeutet für Ärztinnen und Ärzte: Jetzt ist die beste Zeit für den Einstieg.

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