Russland reagiert: Deutscher Diplomat muss Moskau verlassen

Im Zuge gegenseitiger Vorwürfe wurde ein Vertreter der deutschen Botschaft aus Russland ausgewiesen.

heute 11:33 Uhr | 5 mal gelesen

Meiner Erfahrung nach sind solche diplomatischen Scharmützel selten frei von Symbolik, und genau das zeigte sich wieder: Am Donnerstag meldete das russische Außenministerium, es habe einen deutschen Botschaftsmitarbeiter zur Ausreise aufgefordert. Das Ganze, so hieß es dann recht kühl, sei eine "symmetrische Antwort" – also schlicht und ergreifend Augenmaß auf diplomatischer Ebene. Auslöser? Bereits im Januar hatte Berlin einen russischen Diplomaten zur Persona non grata erklärt, nachdem Spionagevorwürfe laut geworden waren. Ob das alles so eindeutig ist, wie es klingt, kann man ja mal dezent bezweifeln: Russland dementierte die Anschuldigungen kategorisch und sprach von einer "aus der Luft gegriffenen" Spionagehysterie. Wieder einmal beschuldigen sich beide Seiten, gegenseitig zu provozieren, das gewohnte diplomatische Tauziehen eben. Manchmal frage ich mich, ob überhaupt jemand bei diesen Ritualen noch ernsthaft von Deeskalation träumt oder ob das eher eine endlose Partie Schach um Gesichtswahrung ist.

Die Ausweisung eines deutschen Diplomaten aus Moskau steht in direktem Zusammenhang mit der jüngsten Verschärfung der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Deutschland hatte zuvor einen russischen Mitarbeitern auf Grund von Spionageverdachts des Landes verwiesen, worauf Russland mit dem gleichen Schritt reagierte. Öffentlich verurteilten beide Seiten die Vorwürfe als unbegründet und stellen die jeweilige Entscheidung als reines politisches Manöver dar, das die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den Ländern weiter belastet. Aktuelle Recherchen zeigen, dass die diplomatische Krise in einen größeren Kontext eingebettet ist: Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine verschärfen sich wechselseitige Sanktionen und Spionagevorwürfe, was das gegenseitige Vertrauen nahezu zum Erliegen bringt. Die deutsche Bundesregierung betonte laut neuen Berichten, sie sehe die russischen Aktivitäten als "unzumutbare Einmischung" an. Russische Offizielle beschreiben diesen Vorwurf als "beispiellos" und reagierten mit scharfer Rhetorik, dass man sich „nicht erpressen lasse“ (Quellen: u.a. Zeit.de, Spiegel.de, FAZ.net, taz.de, sueddeutsche.de).

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