Es ist fast schon wie ein undurchsichtiges Meer: Während einige große Beratungshäuser auf beruhigenden Wellen segeln, kämpfen die kleinen Boote am Rand gegen zunehmenden Wellengang. Der BDU vermeldet, dass die Top-25 Personalberatungen ihren Geschäftsklimaindex kräftig steigern konnten – 102,6 Punkte bedeuten deutlichen Optimismus, ein satter Sprung nach oben. Auch bei den mittleren Unternehmen zeichnet sich Besserung ab. Doch im Schatten: Kleinere Beratungsfirmen und spezialisierte Boutiquen verspüren Frust – rund ein Drittel von ihnen blickt pessimistisch in die Zukunft oder ist von der aktuellen Geschäftslage enttäuscht. Noch vor wenigen Monaten war die Stimmung dort deutlich weniger düster.
Auch bei genauerem Hinsehen gibt es keinen Grund für vorschnellen Beifall. Der Geschäftsdynamikindex des BDU, ein Gradmesser für die tatsächliche Akquise und den operativen Schwung, schwächelt weiter – zuletzt lag er bei 96,5 und fällt etwas ab. Die eigentliche Dynamik ist also sogar schwächer als das Stimmungsklima – eine bittere Pille, besonders für Neueinsteiger und kleine Teams.
Eine weitere Merkwürdigkeit: Die Anzahl neuer Suchmandate bleibt weiterhin niedrig. Währenddessen verbessert sich die Kandidatenlage; als hätte der Arbeitsmarkt gerade einen Frühlingsschub. Die Kehrseite: Selbst dieser positive Trend reicht bislang nicht, um die Auftragsflaute bei neuen Suchanfragen auszugleichen – so formuliert es Arne Adrian, Vorsitzender des BDU-Fachverbands, ganz ohne Schönfärberei.
Zur Umfrage: Rund 230 Executive-Search-Spezialistinnen und -Spezialisten aus unterschiedlichen Unternehmensgrößen haben diesmal Rückmeldung gegeben, darunter sowohl große Player als auch kleinere, deren Zahl übrigens besonders stark unter Druck gerät. Der Geschäftsklimaindex ist das Thermometer für die Lage der Branche; seit kurzem ergänzt durch den Geschäftsdynamikindex. Beide sind eng verwoben mit bekannten Wirtschaftseckpfeilern wie dem ifo-Geschäftsklimaindex – das Signal steht aktuell auf Durchzug.
Im Kern bleibt festzuhalten: Die Kluft zwischen großen und kleinen Akteuren in der Personalberatungsbranche vertieft sich weiter. Größere Beratungen profitieren von einem wachsenden Optimismus und können sich trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten behaupten, während kleine Unternehmen zunehmend auf der Stelle treten oder sogar an Boden verlieren. Auffällig ist, dass die Dynamik der operativen Geschäftstätigkeit stärker schwächelt als das allgemeine Stimmungsbild – das größere Beratungen hoffen lässt, für etliche kleinere Player aber problematisch werden könnte.
Neuere Recherchen zeigen, dass die gesamte Beratungslandschaft weiterhin unter den Nachwirkungen von Inflation, den geopolitischen Unsicherheiten und schleppender Konjunktur leidet. Laut 'Der Spiegel' dämpfen Fachkräftemangel und Nachfragerückgang die Erholung – nicht nur in der Personalberatung, sondern auch in IT- und Management-Consulting-Firmen. Die 'FAZ' berichtet zudem von einer verstärkten Konzentration auf Digitalthemen und temporären Projekten, was vor allem größere Beratungen mit mehr Ressourcen besser stemmen können. Auf 't3n' wird die zunehmende Relevanz von KI-gestützten Lösungen in der Suche nach Fachkräften beleuchtet, wodurch sich das Spielfeld weiter zugunsten der Technologieführer verschiebt.